Hamburgs Südosten wird radikal umgebaut

„Wir reparieren die Schäden der Operation Gomorrha.“ 11.000 Wohnungen entstehen

Hamburg. Es wird das Stadtbild nachhaltig verändern: In den kommenden zehn Jahren plant Hamburg im Südosten eines der größten Wohnungsbauprojekte der Nachkriegszeit. Bis zu 11.000 Wohnungen sollen an der sogenannten Zukunftsachse Hamburg-Südost entstehen. Das Gebiet zieht sich von der Innenstadt über die Stadtteile Hammerbrook und HafenCity bis in den Süden Wilhelmsburgs.

„Wir reparieren die Schäden der Operation Gomorrha“, sagt Andy Grote, Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte – 70 Jahre nach den verheerenden Luftangriffen, die diese Areale besonders schwer getroffen haben. Nach dem Krieg siedelte sich hier größtenteils Gewerbe an. Jetzt solle hier „ein neuer Typus von Stadt“ entstehen.

Um rund 30.000 neue Bewohner soll Hamburgs Südosten wachsen. Allein in Hammerbrook sollen etwa 2000 zusätzliche Wohnungen errichtet werden. „Hammerbrook wird wieder ein urbaner und lebenswerter Stadtteil“, sagt Grote. Auch das Leben auf dem Wasser solle gefördert werden: 19 attraktive Liegeplätze für Hausboote sind in dem Quartier vorgesehen.

Weitere 2900 Wohnungen werden in der östlichen HafenCity entstehen. Auch in Rothenburgsort (600 Wohnungen) und auf der Veddel (500 Wohnungen) wird gebaut. Besonders deutlich werden die Veränderungen im Gebiet zwischen Großmarkt und Heidenkampsweg. Noch ist das von mehreren Kanälen durchzogene Areal von Bürohäusern, Gewerbebetrieben und Brachflächen geprägt, leben hier nur etwa 300 Menschen. In den nächsten Jahren sollen 3000 hinzukommen. Umfangreiche Pläne gibt es auch für Wilhelmsburg: 5000 Wohnungen sollen hier entstehen – der größte Teil davon auf den Flächen, die nach der Verlegung der Reichsstraße frei werden.

Die Wohnungssituation in Hamburg gilt seit einigen Jahren als angespannt. Nach Darstellung des Mieterbundes fehlen in der Hansestadt bis zu 40.000 Wohnungen. Der städtische Wohnungskonzern Saga geht davon aus, dass rund 25.000 Einheiten fehlen. Einig ist man sich darin, dass es vor allem an preiswertem Wohnraum mangelt. Insgesamt gibt es in Hamburg rund 900.000 Wohnungen.

Kritiker beklagen zudem einen deutlichen Anstieg der Wohnungsmieten. Vor allem in citynahen Stadtvierteln wie Ottensen, Eimsbüttel oder Winterhude ist es inzwischen kaum mehr möglich, eine bezahlbare Wohnung zu bekommen. Die Stadt hat reagiert und gesetzliche Regelungen beschlossen, die einen weiteren ungebremsten Anstieg der Mieten verhindern sollen.

Um dem Mangel an günstigem Wohnraum abzuhelfen, hat der SPD-Senat mit der Wohnungswirtschaft zudem das sogenannte Bündnis für das Wohnen geschlossen. Im Rahmen dieses Bündnisses sollen jährlich rund 6000 Wohnungen errichtet werden. Ein Drittel davon müssen Sozialwohnungen sein. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden den Bau von 8731 Wohnungen genehmigt. Das waren deutlich mehr als geplant.

Dass es im Südosten Hamburgs reichlich Flächen für den Bau von Wohnungen gibt, hat auch geschichtliche Ursachen. So gilt Hammerbrook, das jetzt im Mittelpunkt der Entwicklung steht, als eines der Hamburger Wohngebiete, das in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt wurde. Bis zum Stadtzentrum sind es zwar nur wenige Hundert Meter, aber der Stadtteil ist vor allem durch Verkehrstrassen und Bürogebäude geprägt.

Derzeit leben in Hammerbrook auf einem Quadratkilometer im Durchschnitt 681 Einwohner. Zum Vergleich: Im Hamburger Schnitt sind es 2313. Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomber lebten rund 60.000 Menschen in dem Viertel.