Hamburg

Tourismus-Chef fordert Sonntagsöffnung in der HafenCity

Trotz Übernachtungsrekord: Der Hansestadt fehlen internationale Gäste. So sollen sie künftig angelockt werden. Dietrich von Albedyll fordert auch zusätzliche interkontinentale Flugverbindungen.

Hamburg. Immer mehr Besucher kommen nach Hamburg – doch der Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll warnt die Stadt vor Selbstzufriedenheit. Hamburg müsse mehr tun, um für „internationale Aufmerksamkeit“ zu sorgen, sagte von Albedyll in einem Abendblatt-Interview. So könnten durch „weitere herausragende Kulturhöhepunkte“ mehr internationale Touristen an die Elbe gelockt werden. Als weiteres Beispiel nannte er eine Sonntagsöffnung der Geschäfte in der HafenCity.

Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg 10,6 Millionen Übernachtungen verzeichnet – so viele wie nie zuvor. Allerdings gingen nur knapp 2,4 Millionen auf das Konto ausländischer Besucher. Eine neue Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) unter 5500 internationalen Gästen zeigt, wie unbekannt Hamburg ist: So taucht die Hansestadt unter den deutschen Top-100-Sehenswürdigkeiten erst auf Platz 23 auf – mit dem Hafen. Damit liegt die Stadt weit hinter dem Europapark Rust oder dem Schloss Heidelberg.

Von Albedyll sagte, durch eine Sonntagsöffnung könne die HafenCity, ohnehin ein Anziehungspunkt der Touristen, noch ansprechender werden. Das Einkaufen am Sonntag würde sich dort besonders anbieten, weil davon auch die ausländischen Passagiere der Kreuzfahrtschiffe profitieren, die dort anlegten. In den Seebädern an Nord- und Ostsee ist das Einkaufen an Sonn- und Feiertagen schon lange üblich.

Der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD), zeigte Verständnis für die Forderung von Albedylls. Sie sei legitim, aber das Problem liege woanders. „Wir können städtebauliche Defizite in der HafenCity nicht mit einer Sonntagsöffnung kompensieren. Hier sind die Vermieter gefragt, die den Einzelhändlern entgegenkommen müssten.“

Neben einer Sonntagsöffnung der Geschäfte fordert von Albedyll auch zusätzliche interkontinentale Flugverbindungen zum Beispiel nach Asien oder den USA, um mehr ausländische Touristen nach Hamburg zu holen. Auch der Kongressstandort Hamburg müsse gestärkt und die Neuausrichtung des Congress Centers Hamburg umgesetzt werden. Zudem würden noch ein bis zwei neue Tagungshotels benötigt, die mindestens je rund 500 Zimmer und ausreichende Tagungskapazitäten haben müssten. Auch im Luxussegment fehlten Betten. Es gebe einige Ketten, die Interesse an Hamburg zeigten, aber sie benötigten auch Toplagen.

Unterdessen melden die Hotels neue Rekordzahlen. Der Mai war mit mehr als einer Million Übernachtungen der erfolgreichste aller Zeiten und der 50. Rekordmonat in Folge.