Steinwerder

Papiere „einwandfrei“ – Walfleisch-Container freigegeben

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Denis Fengler

Obwohl der Handel mit Walfleisch in Deutschland verboten ist, dürfen die sechs Container mit Walfleisch ihre Reise nach Japan fortsetzen. Der Zoll stellte bei der Prüfung der Papiere keine Unstimmigkeiten fest.

Seit vier Tagen stehen die sechs Tiefkühl-Container mit ihrer brisanten Fracht auf dem Containerterminal Tollerort. Am Sonnabend waren sie auf Geheiß des Zolls von Bord des mehr als 330 Meter langen Frachtschiffs „Cosco Pride“ gehievt worden, jetzt sollen sie so schnell wie möglich ihre Reise nach Hong Kong und von dort aus weiter nach Japan fortsetzen.

Wie das Abendblatt erfuhr, wurden die Container nicht beschlagnahmt. Im Gegenteil: Die Papiere, die teils hatten nachgereicht werden müssen, sind nach Aussage des Zolls „einwandfrei“ in Ordnung. Es gebe keine Handhabe, die Container und ihre brisante Fracht, insgesamt soll es sich um das Fleisch von zehn Finnwalen aus der Jagdsaison 2009/2010 handeln, weiter festzuhalten. „Wir haben unsere Ermittlungen eingestellt“, sagte der Sprecher des Zollfahndungsamtes Dietmar Schulze.

Wie die Container jetzt den Hafen beziehungsweise das HHLA-Terminal verlassen werden, wo sie im sogenannten Zollverschlussbereich, einer Art Schleuse zwischen EU-Ausland und EU-Inland, stehen, ist noch nicht klar. Darum muss sich jetzt der Eigentümer der Container beziehungsweise der Eigentümer der Fracht kümmern. Die „Cosco Pride“ hatte bereits am Sonntag den Hafen wieder verlassen. Das Schiff hatte die Container in Rotterdam aufgenommen. In den niederländischen Hafen waren sie vermutlich mit sogenannten Feederschiffen gebracht worden. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die bereits am Freitag gegen die Ladung protestiert hatte, wird das Walfleisch in Japan erwartet.

Wie das Bundesumweltministerium erklärte, habe sie keine Möglichkeit den Transit von Walfleisch zu verhindern: „Die Bundesregierung ist strikt gegen den kommerziellen Walfang auch außerhalb der EU und ist bestrebt, Vorgänge zu verhindern, die diesem Ziel zuwiderlaufen“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Abendblatt. „Allerdings sehen CITES und die EG-Artenschutzverordnung für bestimmte Fälle vor, dass die Durchfuhr, das heißt der reine Transit durch die Gemeinschaft, von Exemplaren geschützter Arten unter bestimmten Umständen zuzulassen ist. Das ist zum Beispiel bei einem Handel mit Finnwalfleisch für solche Staaten der Fall, die einen Vorbehalt gegen die Aufnahme dieser Arten in Anhang I CITES eingelegt haben, nämlich Island und Japan.“

Allerdings gibt es bereits in anderen Häfen Betreibungen, auch die Durchfuhr von Walfleisch zu unterbinden: „In den Niederlanden hat die Rotterdam Port Authority vor kurzem alle betroffenen Unternehmen aufgefordert, kein Walfleisch mehr durch den Hafen von Rotterdam durchzuführen“, sagte der Sprecher. „Das Bundesumweltministerium prüft derzeit, ob dieses Modell auch für deutsche Häfen infrage kommt.“

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