Leitartikel

Was Zypern uns lehrt

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Oliver Schade

Foto: Marcelo Hernandez

Deutsche Sparer sollten sich intensiv um ihr Geld kümmern. Panik ist keine Lösung

Nun ist sie wieder aufgeflammt, die Euro-Krise. Irland, Spanien, Portugal, Griechenland - die großen Brandherde wurden mit zum Teil kostspieligen Aktionen gelöscht. Doch seit dem Fall Zypern lodert es wieder, das gefährliche Euro-Feuer, Flächenbrand nicht ausgeschlossen. Denn die Retter haben ein Tabu gebrochen. Erstmals in der Euro-Krise verlieren Sparer einen Teil ihres Guthabens. Sie werden persönlich für die Misswirtschaft ihres Geldinstituts und ihrer Regierung zur Kasse gebeten.

Nun sollte niemand glauben, dass es sich bei den Geschröpften nur um geldgierige Russen handelt, die, mit Blick auf hohe Zinsen und niedrige Steuern, ihre Millionen auf die kleine Mittelmeerinsel geschafft haben. Auch gut verdienende Zyprioten, die Geld für das Alter auf dem Sparbuch angelegt haben, bezahlen nun für eine verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik. Jeder, der mehr als 100.000 Euro auf einem Konto der beiden größten Banken des Landes hat, muss mit hohen Verlusten rechnen.

Dieser Fakt ist für viele Betroffene schmerzlich genug. Und die Frage bleibt, warum die Politik willkürlich eine Grenze von 100.000 Euro gezogen hat. Ist man mit einem Geldvermögen von 100.000 Euro bereits reich? Hat zum Beispiel ein Pensionär ohne sonstiges Eigentum mit dieser Summe auf der hohen Kante ausgesorgt? Wohl kaum. Weder die Höhe des festgesetzten Betrags noch die Tatsache, dass eine pauschale Besteuerung vorgenommen wird - egal ob russischer Milliardär oder zypriotisches Rentner-Ehepaar -, sind nachvollziehbar und sie sind ein Fehler. Dass aber der niederländische Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem die Maßnahmen in Zypern als Blaupause für andere Banken in Europa preist, ist einfach nur dumm. Da hilft es auch wenig, dass seine Kollegen am Dienstag die Aussagen Dijsselbloems versuchten zu relativieren. War alles gar nicht so gemeint! Wirklich?

Die Unsicherheit bleibt. Vor allem bei den Anlegern in anderen Euro-Ländern, allen voran in Deutschland, wo ein prall gefülltes Sparbuch seit Jahrzehnten als ideale Altersvorsorge gilt. Zinsen sammeln und sich als Rentner ein wenig Luxus leisten - stimmt diese lange Zeit gültige Formel etwa nicht mehr? So weit sollte man nicht gehen. Deutschland ist nicht Zypern. Der gesamte zypriotische Finanzsektor war auf unverantwortlich hohen Zinsen und niedrigen Steuern aufgebaut - eine explosive Mischung, die es hierzulande nicht gibt. Das Zinsniveau bei deutschen Geldinstituten bewegt sich Richtung null. Dies schmerzt kurzfristig, weil die Rendite auf den meisten Sparbüchern geringer ausfällt als die Inflationsrate. Doch auf lange Sicht ist diese Niedrigzinspolitik der beste Schutz für Spareinlagen. Denn so werden die Banken nicht zu riskanten Anlagegeschäften verführt, um überhöhte Zinszahlungen an ihre Kunden zu verdienen.

Aber wie soll sich der deutsche Sparer nun verhalten? Was kann er aus der Zypern-Krise lernen? Nicht erst seit dem Offenbarungseid von Nikosia muss man bei Geldgeschäften mehr Vorsicht walten lassen. Überdurchschnittlich hohe Zinsversprechen sind in der heutigen Zeit keine Verheißung, sondern ein Warnsignal. Es lohnt sich, sehr genau ins Kleingedruckte zu schauen. Zum Beispiel sollte man sich informieren, welchen Sicherungseinrichtungen die jeweilige Bank angehört. Und bei Finanzprodukten, die man nicht zu 100 Prozent versteht, gilt die Regel: Finger davon lassen. Zudem macht derjenige keinen Fehler, der sein Vermögen streut - auf mehrere Konten bei verschiedenen Banken. Und das Sparbuch alleine ist ebenfalls keine optimale Lösung. Tagesgeld, Festgeld, Aktien, Fonds, ein wenig Edelmetall - und wer es sich leisten kann, sollte über den Kauf einer Immobilie nachdenken. Man muss sich eben kümmern um seine Geldgeschäfte. Gerade in Zeiten wie diesen. Verrückt machen lassen sollte man sich aber nicht.

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