Vattenfall

Energiewende als Begründung für Stellenabbau

1500 Arbeitsplätze sollen bundesweit bis Ende kommenden Jahres wegfallen. Wie stark der Hamburg betroffen sein wird, ist offen.

Hamburg. Es ist eine Hiobsbotschaft für die rund 20.000 deutschen Mitarbeiter des Energieversorgers Vattenfall. 1500 Arbeitsplätze will der schwedische Konzern bis Ende 2014 in Deutschland abbauen - weitaus mehr als bereits im Vorfeld befürchtet worden war. Insgesamt werden konzernweit rund 2500 der 34.000 Stellen gestrichen, davon 400 in Schweden und etwa 500 in den Niederlanden.

In Deutschland sind die Standorte Hamburg, Berlin und Cottbus betroffen, wie Vattenfall am Mittwoch mitteilte. Allein in der Hansestadt arbeiten 4200 Mitarbeiter bei dem Unternehmen. "Wie sich der Stellenabbau auf die einzelnen Orte aufteilt, lässt sich jetzt aber noch nicht sagen", sagte Unternehmenssprecher Stefan Müller dem Abendblatt. "Wir stehen gerade erst am Anfang der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern."

Grundsätzlich wird es Einschnitte in den Bereichen Kundenservice und in der Verwaltung, also in den zentralen Bereichen Finanzen, Controlling und Personalwesen geben. Der Arbeitsplatzabbau soll nach Müllers Worten sozialverträglich ablaufen. "Ziel ist es, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen." Ausschließen wollte er diese aber nicht.

Die Kosten sollen in diesem und im nächsten Jahr durch die Maßnahmen um 540 Millionen Euro gesenkt werden. 360 Millionen davon sollen bereits 2013 realisiert werden, die anderen 180 Millionen Euro im folgenden Jahr.

Als Grund für das drastische Kostensenkungsprogramm führte Vorstandschef Øystein Løseth die sinkende Nachfrage nach Strom durch Energieeffizienzmaßnahmen sowie das verlangsamte Wirtschaftswachstum in diesem Jahr an. Zudem belastet die Energiewende in Deutschland den Konzern.

"Die Welt hat sich verändert und wir haben unsere Strategie an die neue Realität angepasst", stellte Løseth fest. Das Unternehmen erwarte "auch weiterhin erschwerte Marktbedingungen, eine durch die ökonomische Rezession bedingte schwache Nachfrage sowie in der absehbaren Zukunft gleichbleibend niedrige Großhandelsstrompreise und Margen."

Vattenfall wolle auch bei den Investitionen "weiterhin sehr diszipliniert vorgehen", sagte Finanzvorstand Ingrid Bonde. Bis 2017 seien Ausgaben von 14,8 Milliarden Euro eingeplant. Mögliche Anpassungen des Portfolios beinhalteten die denkbare Veräußerung des dänischen thermischen Erzeugungsgeschäftes sowie den möglichen Verkauf eines Blocks des Braunkohlekraftwerks im sächsischen Lippendorf. Zudem könnten andere, unrentable Bereiche und solche, die nicht zum Kerngeschäft zählten, veräußert werden.

"Diese Maßnahmen tragen dazu bei, unsere finanzielle Position zu stärken, unsere CO2-Emissionen zu senken und Entwicklungsmöglichkeiten in anderen Bereichen zu eröffnen", so Løseth. Gerade im Bereich CO2 herrscht bei dem Konzern durch den Betrieb der ostdeutschen Braunkohlekraftwerke Verbesserungsbedarf. Das Kohlekraftwerk in Moorburg soll jedoch weitergebaut werden. Die neue Anlage werde das effizienteste und ökologischste Kohlekraftwerk des Konzerns.

"Wir werden den Plan in dieser Form nicht einfach so akzeptieren", sagte der Vattenfall-Gesamtbetriebsratschef Rainer Kruppa. Schon morgen findet in der Berliner Vattenfall-Zentrale von elf bis 13 Uhr ein Warnstreik statt. Dabei geht es zwar um die laufenden Tarifverhandlungen. "Aber ich bin mir sicher, dass auch der geplante Stellenabbau thematisiert wird", so Kruppa. Als Erstes will er sich dafür einsetzen, dass betriebliche Kündigungen tatsächlich vermieden werden.