Lebensmittel

Gift im Futter: Vorwürfe gegen Hamburger Firma

Importeur Toepfer International soll Mais aus Serbien unzureichend kontrolliert haben. Schimmelpilz Aflatoxin B1 im Futtermais nachgewiesen.

Hannover. Der neue Lebensmittelskandal um giftigen Schimmelpilz im Tierfutter weitet sich aus: Nach umfangreichen Kontrollen am Wochenende stieg allein in Niedersachsen die Zahl der betroffenen Betriebe nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover um über 1000 auf jetzt 4467. Das Gift im Futter hat in der Politik eine grundlegende Diskussion um schärfere Kontrollen für die Branche ausgelöst inklusive Beteiligung an den Kosten in Millionenhöhe. Im Mittelpunkt der Kritik steht ein Hamburger Konzern: Der Agrarhändler Alfred C. Toepfer International hatte den vergifteten Mais aus Serbien importiert. Bernhard Krüsken, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung e. V. (DVT), wirft dem Hamburger Konzern vor, die Lieferung nur ungenügend kontrolliert zu haben. Die Firma wurde 1919 von Alfred C. Toepfer gegründet. Der Ehrenbürger der Stadt starb 1993.

Nachdem vor allem CDU und FDP auf Bundes- wie Landesebene in der Vergangenheit das System der Eigenkontrollen der Agrarindustrie verteidigt haben, warf am Sonntag sogar der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, der Branche schlampige Kontrollen vor. Und nicht nur die grünen Landwirtschaftsminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Christian Meyer und Robert Habeck (beide Grüne) forderten mehr staatliche Kontrollen und Kostenpflicht für die Firmen. "Wenn der Staat da mit mehr Kontrollen reinmuss, weil die Privaten es nicht auf die Reihe kriegen, dann ist die Industrie bei der Finanzierung in der Pflicht", so Habeck.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) setzte sich für mehr Kontrollen durch die Bundesländer ein und fügte mit Blick auf geschätzte Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich hinzu: "Wenn die Bundesländer ausreichende Kontrollen nicht leisten können, liegt es auf der Hand, die amtlichen Kontrollen stärker als bisher durch Gebühren zu finanzieren."

Die neue Stoßrichtung, die Branche zur Kasse zu bitten, hängt nicht nur mit der Häufung von Lebensmittelskandalen binnen weniger Wochen um gefälschte Bio-Eier, Pferdefleisch statt Rindfleisch und jetzt eben den gefährlichen Schimmelpilz Aflatoxin B1 im Futtermais aus Serbien zusammen. Hinzu kommt, dass die Branche offenkundig aus dem ganz ähnlich gelagerten Dioxinskandal um verseuchtes Tierfutter vor zwei Jahren nichts gelernt hat. Damals waren dem Futter verseuchte Industriefette beigemischt worden. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Meyer wirft der Branche vor, sie versuche den neuen Skandal auszusitzen. Nach seinen Worten haben mehrere Betriebe die Aufforderung, ihre Lieferlisten zur Verfügung zu stellen, anfangs "ignoriert".

Nach den Untersuchungen am Wochenende dürfen 75 der fast 1000 Milchviehbetriebe in Niedersachen bereits wieder ihre Produkte ausliefern. Die Betriebe standen besonders im Visier, da sich der Schimmelpilz in Milch ablagern kann - in Fleisch nicht.

Hamburg scheint bislang von den Maislieferungen nicht betroffen zu sein. "Es gibt es keine Erkenntnisse, dass von den betroffenen Futtermitteln etwas nach Hamburg gelangt ist", sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt, am Sonntag. Hamburg prüfe die Listen, mit denen möglicherweise belastete Lieferungen nachverfolgt werden sollen.