Hamburg: Erste Kirche wird zur Moschee

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Nico Binde

Islam-Gemeinde kauft ehemaliges Gotteshaus in Horn

Hamburg. Halbmond statt Kreuz, Mihrab statt Altar: Die Hamburger Kapernaumkirche in Horn soll zu einer Moschee umgebaut werden - als erstes ehemaliges Gotteshaus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Neuer Eigentümer der 2002 entwidmeten Kirche ist demnach das islamische Zentrum Al-Nour. Dessen Vorstandsvorsitzender Daniel Abdin bestätigte den Besitzerwechsel "für einen sechsstelligen Betrag". 2005 war die Kirche an einen Hamburger Kaufmann veräußert worden. "Nun freuen wir uns, dieses wunderschöne Haus erhalten zu dürfen", sagt Abdin. Bereits am 3. Oktober soll die neue Moschee an der Sievekingsallee eröffnet werden.

Während die 1961 erbaute, inzwischen denkmalgeschützte Kirche von außen nahezu unverändert bleiben soll, wollen die neuen Eigentümer den Innenraum umgestalten: mit glaubenskonform ausgerichteten Gebetsteppichen, islamischen Kalligrafien und neuen Leuchten. 250 bis 300 Gläubige sollen Platz finden. Zuvor müsse die von Architekt Otto Kindt entworfene Kirche aber für eine Million Euro saniert werden, schätzt Abdin.

Kritik am Verkauf übt derweil Hans Ulrich Anke, Präsident des Kirchenamtes der EKD. Zwar setze sich die evangelische Kirche dafür ein, dass Muslime ihre Religion frei, gleichberechtigt und in angemessenen Gottesdiensträumen ausüben können. "Die Umwandlung einer Kirche in eine Moschee erscheint uns aber als kein angezeigter Weg. Wo immer es geht, soll Kirche auch Kirche bleiben", sagt Anke. Dennoch hofft der Präsident, "dass es den Beteiligten in Hamburg gelingt, die Situation konsensorientiert und positiv zu gestalten".

Dieses Ziel verfolgen auch die neuen Eigentümer. Daniel Abdin: "Unsere Türen stehen allen offen." Al-Nour engagiere sich seit Gründung im Jahr 1993 für die Integration und den Dialog. Juden, Christen und Muslime seien schließlich "die Völker der Offenbarung". Toleranz, Respekt und gegenseitiges Verständnis seien die Leitbilder seiner Gemeinde. "Deshalb würde ich mich freuen, wenn unser neues Haus nicht nur zu einer Pilgerstätte für Muslime wird." Bislang nutzen die 600 Mitglieder seiner Gemeinde eine Garage in St. Georg als Gebetsraum.

Seit 2007 gibt es zwar EKD-Leitlinien zum Verkauf von Kirchen. Doch nach der Transaktion vor gut sieben Jahren hatte die EKD nun keine Handhabe mehr. Bundesweit sind in den vergangenen 20 Jahren 277 von mehr als 20.000 EKD-Häusern verkauft oder abgerissen worden. Für Irritationen hatte unlängst die Umwandlung eines Gebäudes einer freien evangelisch-methodistischen Kirche in Mönchengladbach gesorgt. Das Haus war an eine alevitische Gemeinschaft verkauft worden.

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