Deutschstunde

Ein Komma bringt Opa bannig ins Tüdern

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Peter Schmachthagen

Die Zeichensetzung hat ihre Tücken, doch die Regeln änderten sich kaum mit der Reform. Selbst vor "und" kann ein Komma stehen

Kommata tauchen so häufig in den gedruckten Texten auf, dass wir den fremden Plural "Kommata" inzwischen durch die deutsche Mehrzahlbildung Kommas ersetzt haben. Diese Vereinfachung eroberte zuerst die Umgangssprache, dann die Fachsprache. Wir schreiben deutsch und nicht altgriechisch, meinte ein Kollege. Der Begriff Kommata, häufig auch noch fälschlicherweise mit einem Schluss-s zu "Kommatas" verballhornt, sei quasi ein Oldtimer in der Sprache wie bei den Kraftfahrzeugen ein VW Käfer mit geteiltem Rückfenster, Seilzugbremsen und Reservehebel.

Gut, ich gebe nach. Ab heute also Kommas. Das macht die Kommaregeln jedoch nicht einfacher. Kürzlich las ich, die Interpunktion, die Zeichensetzung, sei der einfachste Teil der Rechtschreibung. Ein Taschenbuch über Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen, das ich eben aus dem Regal gezogen habe, umfasst jedoch 220 Seiten und ist in einer so kleinen Schrift gedruckt, dass Senioren wie ich eine Leuchtlupe zum Lesen benötigen. Einfach scheint es also doch nicht zu sein, und einfach ist es auch nicht.

Ich kann in einer Folge der "Deutschstunde" unmöglich alle Beispiele zur Zeichensetzung aufführen. Deshalb beginnen wir mit einer guten Nachricht für die Älteren: Trotz der Rechtschreibreform können Sie 99 Prozent der früheren Interpunktionsregeln weiterhin anwenden. Zwingend geändert hat sich nur, dass der Begleitsatz zur wörtlichen Rede jetzt immer mit Komma abgetrennt wird, auch wenn die wörtliche Rede mit Ausrufe- oder Fragezeichen endet. Also: "Wie geht es dir?", fragte er. Früher: "Wie geht es dir?" fragte er. Um die Anwendung vor 1998 ja nicht zu einfach zu machen, gab es eine dieser unzähligen Ausnahmen, die die alte Schreibweise alles andere als klassisch und klar gestalteten. Trat ein "so" hinzu, stand doch ein Komma: "Wie geht es dir?", so fragt er.

Ansonsten können Sie bei der Interpunktion alles beim Alten lassen. Ein Komma, auf Deutsch auch Beistrich geheißen, aber selten so genannt, gliedert ein Satzgefüge. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, Kommas trennen Sätze, aber keine Satzteile. Insofern sind Kommafehler Grammatikfehler.

Manche Leute setzen ein Komma, wenn sie Luft holen, und da sie vor Aufregung beim Schreiben schnell kurzatmig werden, finden wir viel zu viele Kommas in den Texten.

In der Grundschule haben wir seinerzeit gelernt, dass vor und, oder, sowie und beziehungsweise kein Komma stehe. Die Lehrerin meinte es gut, aber es handelte sich um eine, sagen wir: recht gewagte Regel, die bis heute nachhängt. Natürlich kann vor "und" ein Komma stehen! Das gilt etwa für das "und" zwischen zwei Hauptsätzen: Es regnet in Strömen, und die Flüsse schwellen an. Die Konjunktion "und" ändert nichts daran, dass zwei vollständige Sätze mit jeweils eigenem Subjekt und Prädikat durch ein Satzzeichen getrennt werden müssen. Anders bei diesem Beispiel: Es regnet in Strömen und hört nicht wieder auf. Hier haben die Sätze das gemeinsame Subjekt "es", sodass der zweite Teil des Satzgefüges nicht allein bleiben kann.

Nebensätze stehen nicht nach einem Komma, sondern in Kommas, wenn sie in einen Satz höherer Ebene eingeschoben werden. "Wir hoffen, dass es Ihnen gut geht, und wünschen Ihnen alles Gute!" Wir hoffen und wünschen, und dazwischen klemmt sich ein Nebensatz. Das Komma steht also eigentlich gar nicht vor dem "und", sondern hinter dem Nebensatz.

Zu schwerwiegenden Missverständnissen kann es bei Aufzählungen kommen, je nachdem, ob ein Komma gesetzt wird oder nicht. Ina, meine Schwester und Großvater gehen in den Zoo. Hier handelt es sich um drei Personen, um Ina, um meine Schwester, die Trude oder sonst wie heißt, und um Großvater, der drei Eintrittskarten kaufen muss. Das Komma vor "und" fehlt. Falls Ina aber meine Schwester ist und eine Apposition dieses Verwandtschaftsverhältnis näher erläutert, muss dieser Beisatz mit Komma schließen: Ina, meine Schwester, und Großvater gehen in den Zoo. Nur Ina und Opa machen sich auf den Weg. Ein zusätzliches Komma hat eine Person verschwinden lassen. Das sollte man genau beachten, bevor Opa am Kassenhäuschen ins Tüdern gerät.

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