Bergedorf

Minischnecken kontra Bauprojekt: Tiere umgesiedelt

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Bau eines Hamburger Logistikparks liegt auf Eis. Alles hängt davon ab, ob sich 60 Zierliche Tellerschnecken in der neuen Heimat wohl fühlen.

Hamburg. Die Zierliche Tellerschnecke, deren Schutz den Bau eines Logistikparks in Bergedorf blockiert, soll eine neue Heimat finden: In einem ersten Schritt sind bis Ende Oktober rund 60 der Tierchen umgesiedelt worden, verteilt auf neun verschiedene Gräben in den Vier- und Marschlanden. Das bestätigte das Bergedorfer Bezirksamt am Montag. Gutachter und Biologen beobachten, wie sich die Tiere entwickeln und ob einer dieser Standorte als künftiger Wohnraum für alle dienen kann. „Es wurden nur so viele eingesammelt, dass die Verbliebenen sich trotzdem weiterverbreiten können”, so Bezirksamtsleiter Arne Dornquast.

Die Zierliche Tellerschnecke, die 2011 "Weichtier des Jahres" war, verzögert bislang den Bau eines Technologieparks zwischen dem Curslacker Neuer Deich und der A 25. Bei Voruntersuchungen zum Bebauungsplan "Bergedorf 99" im Sommer 2011 waren die fünf Millimeter kleinen Winzlinge entdeckt worden. Es handele es sich um "die größte Population in Deutschland", so Uwe Czaplenski, Dezernatsleiter von Wirtschaft, Bau und Umwelt im Bergedorfer Bezirksamt.

Insgesamt werden rund 2500 Tellerschnecken auf dem Gebiet vermutet. Ob die Tiere umgesiedelt werden können, hängt von den Ergebnissen der 60 „Pionier”-Schnecken ab. Mit Ergebnissen wird allerdings erst 2016 gerechnet. Bis dahin muss der Logistikpark warten.

Derzeit wird die Hälfte der 20 Hektar großen Fläche erschlossen - dort, wo die Schnecken nicht wohnen. Sollten die Tierchen in dem anderen Teil der Fläche bleiben, müsste auch die Zufahrt zum Park neu geplant werden.

Der Bau des Parks verzögert sich damit mindestens um drei Jahre. Eigentlich sollte das 100 Millionen Euro teure Projekt bis zur Internationalen Bauausstellung 2013 stehen. Nun kommen die Kosten für die Schnecke hinzu: Rund 120.000 Euro kostete die Begutachtung vor Ort, 140.000 Euro kostet laut Bezirksamt die Umsiedlung der 60 Tierchen sowie deren künftige Überwachung.

( (HA/mk) )

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