Bildung

Hamburgs Grundschüler beim Lesen und Rechnen weit hinten

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Nur Bremen und Berlin haben schlechter abgeschnitten. Bayerns Grundschüler belegen dagegen den Spitzenplatz in beiden Kategorien.

Hamburg. Hamburgs Grundschüler schneiden in einer aktuellen Bildungsstudie beim Lesen und Rechnen schlecht ab. Auch beim Verständnis von Texten liegen sie hinten. Das ist eines der Ergebnisse des Grundschulleistungsvergleichs nach Bundesländern, der am Freitag von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt wurde. Hamburgs Bildungsbehörde begründete das schlechte Abschneiden vor allem damit, dass in den Stadtstaaten der Anteil von Kindern aus Zuwandererfamilien viel höher sei. Auch würden in Hamburg viele Lehrer Deutsch oder Mathematik unterrichten, ohne das Fach studiert zu haben. „Das Hamburger Ergebnis bestätigt weiterhin einen deutlichen Handlungsbedarf in der Hansestadt“, sagte Bildungssenator Ties Rabe (SPD).

Hamburgs Grundschüler belegten beim Lesen und Mathematik jeweils Rang 14 unter den 16 Bundesländern. Getestet wurde zudem, wie gut Schüler aus Gehörtem Informationen ziehen können. Auch hier kommt Hamburg lediglich auf Platz 13. In allen drei getesteten Disziplinen dominieren in der Spitzengruppe überwiegend Länder aus dem Süden Deutschlands. Danach folgt im Leistungsranking ein sehr breites Mittelfeld mit marginalen Punktunterschieden. Wie Hamburg haben auch die Stadtstaaten Berlin und Bremen erhebliche Probleme.

Für den ersten rein innerdeutschen Grundschulleistungsvergleich wurden im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Viertklässler an mehr als 1300 Grund- und Förderschulen getestet. In Hamburg nahmen 114 zufällig ausgewählte Grundschulen an der Studie teil. Anders als bei den internationalen Schulleistungsstudien PISA, IGLU und TIMSS wurden die Testaufgaben für den nationalen Vergleich allein aus den von den Kultusministern verabredeten neuen bundesweiten Bildungsstandards entwickelt. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende der jeweiligen Jahrgangsstufe können soll.

Hamburg lag in allen Bereichen unter dem deutschen Mittelwert von 500 Punkten. Beim Lesen schafften die Kinder in der Hansestadt nur 478, beim Rechnen 470 und beim Zuhören 486 Punkte. Um Grundschüler aus Zuwandererfamilien und Kinder aus sozial schwachen Familien besser zu fördern, sollen in Hamburg die Ganztagsangebote weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus müssten die Unterrichtsqualität und die individuelle Förderung weiter verbessert werden, erklärte Senator Rabe.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellte die Rangliste offen infrage: „Es sind immer die gleichen Länder an der Spitze und die gleichen am Ende“, sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer. „Warum das so ist, ist auch zehn Jahre nach der ersten Pisa-Studie ein Buch mit sieben Siegeln. Und wie es zu ändern wäre, ist gänzlich unerforscht.” Demmer forderte „neue Akzente in der Bildungsforschung“. Sinnvoller sei es, nicht komplette Bundesländer, sondern wirtschaftlich und soziokulturell ähnliche Regionen miteinander zu vergleichen.

Die Untersuchung bestätigt frühere Erkenntnisse, wonach Jungen besser rechnen, die Mädchen dagegen besser lesen und schreiben können. Dies wird besonders bei der Orthografie deutlich. Dort sind die Mädchen den Jungen im Schnitt um 32 Punkte voraus – was dem Lernfortschritt von einem halben Schuljahr entspricht.

Bundesweites Fazit

Beim Lesen liegen in der Spitzengruppe Bayern (515 Punkte), Sachsen (513), Sachsen-Anhalt (511) und Thüringen (510) dicht beieinander. In der Mathematik bilden Bayern (519), Sachsen und Sachsen-Anhalt (beide 517) sowie Baden-Württemberg (512) die Spitzengruppe. Klar unter dem Mittelwert von 500 Punkten liegen dagegen Brandenburg (491) Schleswig-Holstein (487) und Hessen (484) sowie die Stadtstaaten Hamburg (470) Bremen (452) und Berlin (451).

Getestet wurde auch, wie gut Schüler aus Gehörtem Informationen ziehen können. Nur Bayern erzielt dort Werte, die deutlich oberhalb des Mittelwertes liegen.

In allen Bundesländern zeigt sich erneut eine hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Vergleichsweise geringe Unterschiede beim Lesen finden sich in Sachsen. In Mathematik gilt dies für Brandenburg – während in Bremen die Mathe-Leistungen der Schüler in einem besonders hohen Maß an die soziale Herkunft der Familien gekoppelt sind.

Die Schulforscher gingen auch der Frage nach, wie weit Kinder mit Migrationshintergrund in den Schulen gefördert werden. Grundschüler, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden, hinken im Bundesschnitt gegenüber deutschen Gleichaltrigen mit ihren Lese-Leistungen ein Schuljahr hinterher. Besonders ausgeprägt ist dies in Berlin, günstiger hingegen in Nordrhein-Westfalen. In Mathematik kommen in Sachen Ausländerintegration neben Bremen und Berlin auch Baden-Württemberg und Niedersachsen auf ungünstige Werte. Die geringsten Unterschiede zwischen deutschen und nichtdeutschen Schülern in diesem Fach gibt es in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

( (dpa) )

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