Umfrage

City ohne Autos? Wie die Hamburger leben wollen

Große Resonanz auf Umfrage. Insgesamt 5700 Leser haben den Abendblatt-Fragebogen ausgefüllt - und das mit erstaunlichen Ergebnissen.

Hamburg. Bezahlbarer Wohnraum, weniger Glasbauten, mehr Radwege und Grünflächen, besserer und preiswerter öffentlicher Nahverkehr: Die Hamburger haben klare Vorstellungen davon, wie sich ihre Stadt in den nächsten Jahren entwickeln soll, und wollen dabei mitbestimmen. Das geht aus dem Fragebogen "Wie wollen wir leben?" des Abendblatts hervor, den in der vergangenen Woche rund 5700 Hamburger ausgefüllt haben. Selten hat es auf eine Umfrage dieser Zeitung eine derart große Resonanz gegeben.

Das erstaunlichste, zugleich auch knappste Ergebnis: Eine Mehrheit der Befragten (51 Prozent) ist dafür, die Innenstadt für private Autos zu sperren. Und immerhin 41 Prozent können sich vorstellen, sich "dauerhaft mit Freunden oder Nachbarn ein Auto zu teilen". Hinzu kommt, dass es einen stark ausgeprägten Wunsch nach dem Ausbau des Radwegnetzes und der HVV-Angebote gibt, der so weit geht "dem Radverkehr Vorrang vor dem Autoverkehr" zu geben. Und immer wieder taucht in den Fragebögen auch die Forderung nach einer Straßen- beziehungsweise Stadtbahn auf.

Beim Thema Wohnungsbau zeigt die Umfrage, dass der Senat vor einem Dilemma steht. Einerseits wünschen sich die Hamburger nichts so sehr wie niedrigere Mieten und günstigere Immobilienpreise. Andererseits lehnen zwei Drittel der Befragten die Bebauung von Grünflächen und Kleingärten im Kampf gegen den Wohnungsmangel genauso ab wie Hochhäuser. Die Empörung über die Art, wie in Hamburg derzeit neue Gebäude entstehen, ist schon jetzt groß.

In Hunderten Kommentaren kritisieren die Befragten "unansehnliche Klötze und Glasbauten" und fordern den Schutz beziehungsweise die Rückkehr der klassischen Hamburger Architektur. Eine typische Antwort auf die Frage, was der größte Wunsch für die Stadt sei: "Bezahlbarer Wohnraum, Erhaltung der Backsteinkultur und der grünen Lunge Hamburgs."

Interessant ist auch, dass das Desaster um die Elbphilharmonie nicht zu einer klaren, grundsätzlichen Ablehnung solcher Projekte führt. 43 Prozent finden nach wie vor, dass Hamburg Leuchtturmprojekte wie das Konzerthaus am Hafen braucht, würden aber künftig bei so einem stadtbestimmenden Projekt gern im Vorfeld in die Entscheidungsfindung einbezogen werden (77 Prozent).

Das klarste Ergebnis der Umfrage belegt einmal mehr, wie stark die Bindung der Hamburger zu ihrer Stadt ist: Fast 90 Prozent der Teilnehmer beabsichtigen, in den nächsten zehn Jahren in Hamburg zu leben. Die Ergebnisse der Umfrage und die größten Wünsche der Hamburger werden heute bei "Vernetzt. Das Zukunftscamp", einer Initiative der "Zeit"-Stiftung, auf Kampnagel vorgestellt.