Wandsbek

Haus der Jugend Tegelsbarg vor dem Aus

Das Budget für Honorarkräfte wurde um 40 Prozent gekürzt. Die Einrichtung Tegelsbarg in Hummelsbüttel besuchen bis zu 400 Kinder täglich.

In einem Raum wird getöpfert, aus dem Keller dröhnt das Trommeln zweier Schlagzeuge, und in der Sporthalle rasen Kinder und Jugendliche mit Inlineskates umher. Nebenan wird Fußball gespielt, in einem anderen Trakt des Gebäudes krabbeln kleine Kinder zwischen Kissen umher. So sieht ein typischer Nachmittag im Haus der Jugend (HDJ) Tegelsbarg in Hummelsbüttel aus.

Ob die seit 25 Jahren bestehende Einrichtung auch in Zukunft noch ein derartiges Freizeitprogramm für Kinder und Jugendliche anbieten kann, ist jedoch ungewiss: Wegen der strikten Sparmaßnahmen der Sozialbehörde in der Kinder- und Jugendarbeit muss der Bezirk Wandsbek rund zehn Prozent seines Budgets für diese Posten kürzen. Weil das HDJ Tegelsbarg eine städtische Einrichtung ist, müssen bei diesen Sparmaßnahmen die festen Stellen unangetastet bleiben. Gekürzt wird folglich das Budget für Honorarkräfte.

Das bedeutet konkret: Um das Sparziel zu erreichen, soll das HDJ Tegelsbarg in Zukunft 40 Prozent weniger Geld für die Beschäftigung seiner freien Mitarbeiter bekommen. Die Leitung befürchtet, dass dadurch die Hälfte der Angebote eingespart werden muss. Statt derzeit 34 000 Euro pro Jahr muss die Einrichtung dann mit nur noch 20 400 Euro auskommen. Für Kerstin Berneis und viele weitere engagierte Eltern des Stadtteils ist dies "ein Skandal". Besonders vor dem Hintergrund, dass eine der vier von der Stadt finanzierten Stellen nicht besetzt ist, sei das Haus der Jugend auf die Honorarkräfte angewiesen. "An manchen Tagen ist so viel los, dass allein der normale Betrieb nur mithilfe von Honorarkräften zu bewältigen ist", sagt die Mutter zweier Kinder. "Manchmal müssen schon jetzt Eltern aushelfen. Sollte beim HDJ wirklich so viel Geld eingespart werden, ist das sein Todesurteil."

Die Idee des Bezirks, Geld durch eine Senkung von Betriebskosten zu sparen, ist "unrealistisch", meint Andrea Scheeve, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung. An fünf Tagen in der Woche ist das HDJ geöffnet, jeweils vom Nachmittag bis in die Abendstunden hinein. An Wochenenden und in den Ferien gibt es ein Sonderprogramm. Das sind alles Angebote, die bei der Hummelsbüttler Jugend offenbar gut ankommen. Bei besonderen Veranstaltungen besuchen bis zu 400 Kinder und Jugendliche die Einrichtung im Stadtteil.

Für Christiane Blömeke, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, ist dies mehr als ein Beweis dafür, dass die Einrichtung eine feste Institution im Stadtteil ist und gebraucht wird. Blömeke kritisiert das Vorgehen und die Kürzungen des SPD-Senats stark. "Das Haus der Jugend am Tegelsbarg zeigt, wie schmerzhaft sich die vom Senat angeordneten Jugendhilfe-Kürzungen vor Ort auswirken", so Blömeke. "Bürgermeister Scholz ist angetreten, um Hamburg zur familienfreundlichsten Stadt zu machen. Hier bricht er sein Wort."

Das findet auch Stefanie Sievers, die selbst vor Jahren noch als Jugendliche das HDJ besucht hat. Heute sind es ihre Kinder, die die Nachmittage dort verbringen. Besonders deshalb ist das Argument des Sozialsenators, man könne solchen Einrichtungen aufgrund der Einführung von Ganztagsschulen sparen, für die Mutter nicht nachvollziehbar. "Kinder brauchen ausreichend Freizeit. Und hier können sie diese besser gestalten als in der Schule", sagt die Hummelsbüttlerin. Zudem würden die Angebote im HDJ am Nachmittag beginnen - dann, wenn auch die Ganztagsschule beendet ist.

Wie es mit dem HDJ weitergeht, entscheidet sich Ende des Jahres, wenn über den Haushalt der Sozialbehörde entschieden wird. Christiane Blömeke und die Eltern fordern den Senat auf umzudenken. "Richtig wäre es, zwei Jahre abzuwarten und über eine Kürzung nachzudenken, wenn sich das System der Ganztagsschule etabliert hat", sagt Blömeke. "Denn erst dann können wir sehen, wo gespart werden kann und wo eben nicht.