Umstrittene Organisation

Sterbehilfeverein von Ex-Senator geht in die Schweiz

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Organisation von Hamburgs Ex-Senator Kusch reagiert auf deutschen Gesetzentwuf, gewerbsmäßige Suizidbeihilfe zu bestrafen.

Hamburg/Zürich. Der Verein „SterbeHilfe Deutschland“ hat einen Sitz in der Schweiz eröffnet. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung, der gewerbsmäßige Beihilfe zum Suizid unter Strafe stellen will. Der Verein werde aber keine kommerzielle Sterbehilfe in der Schweiz leisten, sagte der Vereinsvorstand und frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch am Freitag bei einer Presskonferenz in Zürich.

Der Verein hatte kürzlich seine Satzung geändert, um in Deutschland nicht als kommerzieller Anbieter von Suizidbeihilfe zu gelten. Danach sollen im Falle von begleiteter Sterbehilfe „sämtliche Geldbeträge zurückgezahlt werden, die er zuvor von dem Mitglied erhalten hat“. Kusch betonte, eine solche Garantie bedeute keine Kritik an Schweizer Organisationen wie Exit oder Dignitas, sondern sei eine Konsequenz aus der deutschen Gesetzgebung.

Der Verein will nach eigenen Angaben in Deutschland ein Selbstbestimmungsrecht des Menschen im Leben und im Sterben nach Schweizer Vorbild verankern. Der Schweizer, in Zürich ansässige Verein soll nach Worten Kuschs für die südlichen deutschen Bundesländer zuständig sein, der in Hamburg für Norddeutschland. Der Verein Sterbehilfe Deutschland ist seit 2010 aktiv. Er hat nach eigenen Angaben 300 Mitglieder und bislang in etwa 60 Fällen Suizidbegleitung geleistet.

In der Vergangenheit hatte der Jurist Kusch gegen Zahlung von mehreren tausend Euro Beihilfe zur Selbsttötung geleistet. Als das Hamburger Verwaltungsgericht dies untersagte, kündigte er im Februar 2009 zunächst an, keine Sterbehilfe mehr anzubieten. Anfang 2010 gründete er in Hamburg den Verein „SterbeHilfe Deutschland e.V.“. Für Mitglieder ist die Suizidbeihilfe kostenfrei. Allerdings werden Vereinsmitgliedschaften fällig.

Im März hatte der Freitod von Timo Konietzka für Aufsehen gesorgt. Der Mann, der das erste Tor der Bundesligageschichte geschossen hatte, hatte sich mit Hilfe der Organisation Exit das Leben genommen. Den Text seiner Todesanzeige hatte er selbst verfasst. "Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Exit bedanken, die mich am Montagnachmittag von meinen Qualen erlöst und auf dem schweren Weg begleitet haben", heißt es darin.

Konietzka war Mitglied bei Exit, trat als Botschafter des Vereins auf. In der Schweiz, wo er seit 45 Jahren lebte und deren Staatsbürger er seit 1988 war, ist Sterbehilfe erlaubt. Schon vor einem Jahr, nach einer zweiten Herzattacke, sagte er in einem Interview: "Ja, ich plane meinen Tod." Wenn es so weit sei, werde er sagen: "Jetzt nehme ich den Schluck. Macht's gut!"