E-Mails von Bord

Tag 1 Von der "Norddeutsche Vermögen Hamburg" schreibt Skipper Torsten Hilbert: "Die Crew ist wohlauf, unser Wassermacher nicht. Trotz erfolgreicher Tests in Newport versagt er uns den Dienst. Wir haben aber genug Wasser an Bord. Derzeit haben wir unsere G III gegen den Reacher ,Pamela' gewechselt und können sehr gut mit ,Snow Lion' und ,Bank von Bremen' mithalten." Die Crew der

"Albatros" meldet: "Wir sind als Fünfter über die Startlinie. Dann das große Pech, das Fall reißt und das Groß liegt an Deck. Wir segelten vorerst mit gerefftem Groß weiter. Dank Andreas Clement, der bei 15 Knoten Wind und einiger Schräglage in 29 Metern Höhe das neue Fall wieder einzieht, können wir jetzt wieder richtig weiter segeln."

"Outsider" : "Nachdem wir auf dem ersten Stück nach dem Start die ,Grey Goose' auf dem Spinnakergang überholt haben, trennten sich unsere Wege beim Punkt C. Während wir uns südlich halten, fuhr die ,Grey Goose' weiter nach Norden. Wer dabei besser aussieht, wird der Punkt Alpha zeigen."

Tag 2 "Norddeutsche Vermögen Hamburg" : "Gestern Nacht haben wir den Golfstrom erreicht. So weit südlich hat sich keiner gewagt. Unser Lohn: satte 4 Knoten Strom. Unter Gennaker haben wir auf Ostkurs gehalst. Der Wind bläst mit guten 5 Beaufort aus West. Heutiger Topspeed durchs Wasser waren 14.6 Knoten und 18.1 über Grund. Ob der zusätzliche Weg von knapp 100 Meilen sich rentiert hat, werden wir erst in ein paar Tagen sehen können. Den Wassermacher haben wir mittlerweile in Betrieb. Gestern flog unsere Sicherung für die gesamte Backbord-Kabinenbeleuchtung raus. Leider hängen da alle unsere Rotlichtlampen, die 12V-Steckdosen und das Magnetventil für die Gasflasche mit dran. Den Fehler konnten wir in etlichen Metern Kabeln noch nicht finden. Heute versagte urplötzlich unsere Geschwindigeitsanzeige den Dienst. Die Kontrolle des Drehrädchens zeigte, dass es komplett zerstört wurde. Die Plastikaufnahme ist demoliert. Wir vermuten, dass wir im Surf einen kleinen Gegenstand erwischt haben. Wir versuchen, das Ganze nun zu kleben. Der Golfstrom führt nicht nur eine Menge Wale und Delfine mit sich, sondern auch haufenweise Müll, etwa ein 4 mal 4 Meter großes Stück aus weißem Plastikgartenzaun."

"Outsider": "Nach einer harten Nacht im Gegenstrom haben wir endlich unseren Golfstrom gefunden, der uns mit 3 Knoten Richtung Point Alpha schiebt. Dank des unerwarteten Nordwestwindes mit bis zu 20 Knoten beschleunigt die Yacht unter Gennaker und Stagsegel oft bis auf 20 Knoten Fahrt durchs Wasser. Die Spannung, wer Alpha als erstes erreicht, steigt. Bis dahin sind es aber noch gut 900 Seemeilen. Wir rechnen mit Donnerstag früh."

"Haspa Hamburg" : "Tommy, Katrin, Michael und ich haben einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben dürfen. Wie im wahren Leben wurde auch dieser schöne Augenblick durch das nicht einwandfreie Funktionieren unseres WCs massiv gestört. Tommy, Gerd und Hermann haben den Apparat auseinander gebaut."

"Grey Goose": "Zum Wachwechsel um Mitternacht wird der Gennaker gewechselt - Allemann Manöver! Kurz danach brist es auf und das Boot beschleunigt. Mit diesem Segel liegen wir genau richtig. Die Welle gibt den Rudergängern ordentlich was zu tun. Es ist kein Schiff weit und breit zu sehen. Kurz vor vier kündigt sich der Sonnenaufgang an. Der Himmel zeigt unglaubliche Farben. In solchen Momenten wird klar, warum die See ruft."

Tag 3 "Boatmen": "Leider hatten wir heute Nachmittag eine Kollision mit einem etwa zwei Meter großen Mondfisch, der augenscheinlich beim Sonnenbad an der Meeresoberfläche etwas eingenickt war. Es hat ordentlich gerummst. Inzwischen sind wir auf direktem Kurs Richtung Punkt Alpha. Noch 850 Meilen, dann links abbiegen und schnell die verbleibenden 2500 Meilen nach Hause."

"Varuna": "Wir trauen der Lady die ersten kleinen Surfs auf sehr zurückhaltenden Atlantikwellen zu. Topspeed bisher 16,5 Knoten."

"Luv": "Deckwaschen ist angesagt. Es ist erstaunlich, was sich auf diesem blitzsauberen Meer für ein Schmutz ans Schiff kleben kann."

"Tutima": "Traumhafte Segelbedingungen im Golfstrom, der teilweise mit bis zu 3,5 Knoten schiebt. Topspeed 17,1 Knoten über Grund."

"Peter von Seestermühe": "Eine Welle ist über dem Cockpit zusammengeschlagen, hat unsere schöne Kompassabdeckung aus Messing mitgenommen. Es hat so geknallt, das ich in meiner Hundekoje sicher war, das Rigg wäre von oben gekommen."

"Outsider": "Mit Geschwindigkeiten bis zu 25 Knoten stobten wir über und durch die hohen Atlantikwellen. Im Schiff ruckte es stellenweise so, dass man in der Koje nach vorne beschleunigt wurde. Erfahrene Schläfer schlafen deshalb mit den Füßen nach vorn."

Tag 4: "Luv": "Wir sind auf einen Wal gelaufen. Um 20.23 Uhr gibt es einen ordentlichen Schlag. Ich stehe am Ruder und denke: Wieso gibts hier Untiefen? Gleich darauf bläst ein Wal an Backbord seine Atemfontäne ab, unmittelbar neben dem Boot. Ich fürchte, das Tier, das mit unserem Kiel kollidierte, wird eine ordentliche Beule abbekommen haben. Wir sind froh, dass der Wal nicht unser Ruder getroffen hat."

"Grey Goose": "Wir fahren zeitweise im absoluten Blindflug in eine schwarze Wand hinein. Wir erfreuen uns ständig wechselnder Windrichtungen- und Stärken. Mat meint, wir würden wohl am Ende aussehen wie Schimpansen. Heute mal keine Wale zu sehen. Dafür haben wir unter Deck jetzt einen Hecht, der hier mit eingezogen ist."

"Iskareen": ",Boatmen' ist in Lee ca. 400 Meter voraus, die überholen wir seit gestern Abend minuziös. Heute hat Max Droege Geburtstag, es gab ein Geburtstagslied ("Heute kann es regnen, stürmen oder schnei'n...") sowie als Überraschung eine Großpackung Twix, die er großzügig an die Wache weitergab."

"Maiden": "Morgen Vormittag werden wir den schnellen Eddy erreicht haben. Dann wird bei konstant steifem Wind im Eiltempo auf- und eingeholt, was wir durch den gewählten Südkurs zunächst eingebüßt hatten."

"Seeadler": "Neben den Tropfen von oben durch die Feuchte im Schiff hat sich letzte Nacht auch Wasser von unten dazugesellt. Das ständige Überkommen der See tut unserer Vorschiffsluke nicht so gut. Nach mehreren nächtlichen Schöpfaktionen sind wir nun vorerst mal trocken. Die Luke haben wir versucht, mit Tampen abzudichten. Der Seegang lässt uns an Bord öfter durch die Gegend fliegen. Ab und zu schlägt auch ein Brecher gegen die Bordwand. An Deck bedeutet das eine schöne Dusche."

"Varuna": "Alle sind wohlauf und das Essen schmeckt. Da wir uns meistens schon nach wenigen Stunden nicht mehr daran erinnern können, was und wann es zuletzt etwas zum Essen gegeben hat, werden Mahlzeiten jetzt im Bordbuch notiert."

Tag 5 Von Bord der "Cheri Raffay Hamburg" berichtet Leopold Reck (59, Foto): "Wir sind die letzten Tage auf der Suche nach den Eddys Zickzack gefahren und hatten kurzzeitig sogar Strom mit, leider nicht beständig. Lohnt sich noch der Umweg weiter nach Süden? Inzwischen sind wir ratlos, welche Entscheidung richtig ist. Die Mannschaft diskutiert."

"Passage": "Haben gestern nach zähem Ringen die ,Iskareen' fast in Rufweite vorbeiziehen lassen müssen. War ein spektakuläres Kopf-an-Kopf-Rennen, mit teilweise mehr als 17 Knoten. Heute Nacht haben wir sie allerdings wieder kassiert bei 40 Knoten Wind."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg" : "Das Wasser fegt von allen Seiten übers Deck. Während das Ganze draußen im Cockpit noch prima ist, wird es unter Deck zur Tortur. Das Schiff fühlt sich an, als ob man mit einem Sieben-Tonnen-Lkw die Treppen hinunterfährt."

Die "Peter von Seestermühe" schickt ein Foto der stürmischen Aussichten von Deck (links) und schreibt: "Nachdem wir in der letzten Nacht das Großsegel bergen mussten, laufen wir jetzt wieder unter vollen Segeln. Bei aller wilden Sturmsegelei geht es unter Deck beschaulich zu. Der durch überraschendes Angelglück verschobene Lammbraten gelang trotz (oder wegen?) der Schaukelei hervorragend."

"Tutima": "Unser Vorschiffsmann Jan Brügge war wieder zweimal im Mast, um kleinere Schäden am Groß zu beheben. Zurzeit fahren wir unter Sturmfock. Gewaltige Wellenberge türmen sich seitlich auf. Am späten Abend hatten wir kurz Sichtkontakt zur ,KPMG', schnell waren sie wieder zwischen den dunklen Wassermassen verschwunden."

"Maiden": "Es war nicht unser Tag. Das WC funktioniert nur ,klein', die Pumpe baut kein Vakuum mehr auf; das Rührei fürs Omelette fliegt bei einer größeren Welle in den Durchgang unter Deck; aus drei Luken und dem Coffeegrinder tropft es unter Deck direkt in die Kojen; Duct Tape und Toilettenpapier müssen rationiert werden. Zu allem Überfluss beschloss auch noch der Propeller, sich in eine aufgeklappte Stellung zu begeben und lautstark mitzudrehen."

Tag 6 "Luv": "Wir haben schon wieder einen Wal gerammt! Zweimal innerhalb von zwei Tagen! Punkt 17 Uhr gibt es einen Schlag vorn gegen die Backbordseite. Im Kielwasser wälzt sich gleich darauf ein ca. sechs Meter langer Wal auf die Seite. Später ist urplötzlich der Wind weg. Die Segel schlagen klatschend und knallend gegen Mast und Wanten. Das Schiff ist Spielball der alten See. Die Fahrt sinkt auf 0,4 Knoten. Bevor es sich selbst zerlegt, bergen wir das Groß vollständig. Der Albtraum dauert fast zwei Sunden. Dann setzt sich langsam die neue Brise durch."

"Varuna": "Die Crew ist in guter Stimmung, auch wenn einige über etwas Schnupfen und Halsschmerzen klagen. Unser Dottore hat die Versorgung mir Mitteln zur Linderung jedoch schon begonnen, und hier unter Deck duftet es nach Menthol und Eukalyptus."

"Chieftain": "Unsere Hauptprobleme sind der Mangel an vernünftiger Nahrung, ein ganz starkes Bedürfnis nach einer Dusche, nach sauberen trockenen Klamotten und Stiefeln, die kein Wasser durchlassen!"

"Outsider": "Die Lage entspannt sich zunehmend. Aufgrund des abnehmenden Windes ist es uns möglich, den Eingang über längere Zeit geöffnet zu lassen, damit Schiff und Mannschaft trocknen können. ,Das ist das erste mal, dass ich den Eindruck habe, das Ölzeug sei trockener geworden', meint Bo. Tatsächlich sind die Kondenstropfen von der Decke verschwunden, und die Luftqualität hat sich deutlich verbessert."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Die Wellen sind kleiner geworden. Wir haben endlich Ruhe im Schiff und konnten einmal komplett durchlüften und die Feuchtigkeit rausbekommen. Unsere kleinen Frischetücher waren sehr beliebt, und die Funktionsunterwäsche wurde bei vielen das erste Mal gewechselt. Nun duftet es hier wie römisches Badehaus."

Tag 7 "Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Der Nordatlantik steht normalerweise nicht in dem Ruf, ein Flautenrevier zu sein, dennoch drehen wir heute zum zweiten Mal Kreise um uns selbst und versuchen, die ermüdende Ruhe nach Osten zu verlassen. Klappt mäßig. Haben zwei Containerschiffe gesichtet - und endlich den Fehler gefunden, warum die Beleuchtung nicht funktionierte."

"Iskareen": "Nun ist die wilde Rauschefahrt vorbei, wir daddeln bei 10 Knoten durch die Gegend. Bis heute Morgen war es immer wieder böig-frisch, wir haben gute Fahrt gemacht, das Speedometer selten unter 10 Knoten. Wir kämpfen nach wie vor mit der Windanlage, obwohl ich gestern oben war und wir eine neue Windfahne montiert haben. Kein einfache Angelegenheit, man muss auf Höhe des Vortages für den letzten Meter das Fall wechseln, zwischendurch macht man sich oben fest."

"Peter von Seestermühe": "Überall liegen und hängen Ölzeug, Segel und persönliche Kleidungsstücke, die glücklich sind, noch während der Muffphase, aber rechtzeitig vor dem Beginn des Schimmelstadiums wieder an die frische Luft zu kommen. Auf dem Achterschiff werden Mensch und Socken gewaschen, während die eine oder andere kleine Reparatur erledigt wird. So putzen wir unser vom Sturm zerzaustes Gefieder und zuckeln gemächlich durch die ruhige See."

"Bank von Bremen": "Nachdem wir heute Morgen Rührei aus Volleipulver kosten durften, sind wir nun damit beschäftigt, die Verwarzung an und unter Deck zu beseitigen. Während wir mit dem Tief gen Osten eilten, war Lüftung unmöglich. Versuche, Luken vor der nächsten Welle zu schließen, endeten mit kühlen Duschen. Nun können wir bei leichteren Winden die Polster und Kleidungsstücke trocknen. Die ersten Crewmitglieder haben sogar schon wieder trockene Stiefel . . ."

"Maiden": "Gemeinschaftlich werden drei Hauptmahlzeiten eingenommen; meist vor der Pantry auf dem Boden sitzend oder an die Wände gelehnt. Heute gab's Nudeln mit Pesto und gebratenem Schinken als Mittagessen, abends Nussbrot mit Cheddar und Landwurst, zum Nachtisch Obstkompott. Wir bedauern alle, die sich mit Tütennahrung durchbringen müssen."

"Luv": "Ziemlich genau um Mitternacht UTC perlt es an Bord aus zehn Bierflaschen. Es gilt, die erste Etappe zu feiern. Wir haben Point Alpha erreicht. Ab sofort bringt uns der Kurs nicht mehr nur nach Osten, Richtung Afrika, sondern vor allem nach Norden, Richtung Europa. (. . . ) Wir trennen unseren Müll. Nur unzweifelhaft organische Abfälle dürfen über die Reling. Alles andere sammelt sich in Müllbeuteln, und die landen in der Vorpiek."

"Outsider": "Gestern Nacht sahen die Delfine bei ihrer Annäherung an das Schiff aus wie kleine Torpedos. Aus einiger Entfernung konnte man ihren Schweif sehen, den sie aufgrund des Meeresleuchtens erzeugten. Die einzig schlechten Nachrichten sind, dass ein Müllsack in der hinteren Backskiste aufgegangen ist und dadurch zusammen mit dem restlichen Wasser ein heikle Mischung entstanden ist."

Tag 8 "Maiden": "Die Freiwache liegt an Deck auf den Segeln und liest oder schläft, aus dem Lautsprecher tönt Hans Albers, auf der Reling hängt gewaschene Wäsche. Im Flur unter Deck wird eine Lost-and-found-Liste aufgehängt. Insbesondere ein Leatherman-Multitool wurde bereits mehrfach vermisst und wiedergefunden; auch einzelne Socken sind ein gerne wiederkehrendes Thema."

"Seeadler": "Luken auf, Luft rein; Klamotten runter, Dreck weg! Nach Point Alpha kam der Wind von hinten. Selbiger nahm dann, Gott sei Dank, die Feuchtigkeit mit aus dem Boot. Da mit der Richtungsänderung auch eine Abnahme der Stärke verbunden war, gab es reichlich Bade- und Waschchancen. Das Bild, das unser Boot bot, wechselte zwischen fahrender Wäschespinne und Nudistendampfer hin und her. Wetter sonnig, Spi oben, alles läuft prima. Unser Tagesmotto: Wer hinterher fährt, kann nichts falsch machen, aber auch nicht vorne fahren!"

"Albatros": "Essen an Bord wie immer spitze, Manfred servierte bereits seine berühmte Leber Berliner Art! Heute ist Jürgen in der Kombüse, Königsberger Klopse stehen auf dem Speiseplan."

"HSH Nordbank": "Unsere Esslöffel haben sich mit dem Abwaschwasser in den Atlantik verabschieden. Das stört unseren Frühstücksplan empfindlich, der auf Müsli setzt. Das essen wir jetzt mit der Gabel."

"Outsider": "Wer ist schneller? Das nach Süden ziehende Hochdruckgebiet mit leichten Winden um 5 Knoten oder die tapfere ,Outsider', die sich den Weg nach Osten bahnt? Heute morgen um 8 Uhr UTC das erleichternde Telefonat mit Meeno. Zwar zog das Hoch schneller als vorhergesagt, aber nicht schnell genug, um uns einzulullen."

"Haspa Hamburg": "Heute Nacht kam dichter Nebel auf. Es war irgendwie unheimlich. Wir sprachen darüber, ob es Geisterschiffe wirklich gibt. Durch das ruhigere Wetter haben wir viel mehr Zeit, uns Sachen zu erzählen. Wir lernen uns von Tag zu Tag mehr schätzen und der Zusammenhalt wird immer extremer. Ich glaube, zurück in Hamburg wird uns so schnell nichts mehr auseinander bringen."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Unser neuer Heckkorb ist fertig. Aus Fragmenten des Alten (der im Sturm zerstört wurde, Anm. der Redaktion) und mit zwei Bodenbrettern sowie Teilen aus Küche und Ofen haben wir ein kleines Kunstwerk geschaffen. Sieht sehr stabil aus! Dahinter können wir uns jetzt verschanzen und gegen Piraten verteidigen."

Tag 9 "Boatmen": "Wir haben die letzten zwei Tage voll im Nebel gehangen (der Nebel des Grauens, wie hier vermutet wird) bei schwachen Winden. Die ,Bank von Bremen' ist, wie wir hörten, nur 16 Meilen voraus. Nachts ist das Wasser eine einzige Lichtershow weil voller Plankton - und Delfine sehen aus wie grün leuchtende Torpedos."

"Albatros": "Wir müssen erneut einen Schaden melden. Am 24. Juni um 13:58 Uhr UTC erschütterte ein schwerer Schlag die ,Albatros'. Unter Deck hörte es sich an, als ob der Mast gefallen ist. Eine riesige Blutlache achteraus zeigte, dass wir mit einem Wal zusammengestoßen waren. Die Kontrolle ließ vermuten, dass wir den Zusammenstoß ohne Schaden überstanden hatten. Aber nach längerer Zeit ließ sich das Ruder immer schwerer bewegen. Heute haben der Skipper, Carsten und Henner den Schaden unter Wasser lokalisiert. Das gesamte Ruderblatt hat sich von unten bis oben delaminiert."

"Maiden": "Die ,Biscuit-Watch' (die Hundewache von Mitternacht bis 4 Uhr früh; um bei Laune zu bleiben, langt sie regelmäßig bei den Süßigkeiten zu) behauptet, sogar im WC habe es Meeresleuchten gegeben. Heute sind diverse Inspektionen und Reparaturen angesagt. Die WC-Spülung kann trotz weiterer Versuche nicht in Betrieb genommen werden."

"Peter von Seestermühe": "Die befürchtete Flaute hat einen Bogen um uns gemacht, und wir laufen schon wieder mit Regattageschwindigkeit. Morgen werden wir die Hälfte der Strecke zurückgelegt haben, und es wird an den Vorbereitungen zum Bergfest gearbeitet."

"Charisma": "In den Surfs (den Ritten auf den Wellen) erreichten wir Geschwindigkeitsspitzen, die vom Konstrukteur rechnerisch nicht vorgesehen sind. An zwei Tagen schnellten unsere Etmale auf über 200 Seemeilen in 24 Stunden (Spitze für die ,Charisma')."

"Grey Goose": "Gestern Nachmittag unter Gennaker 1,5 hatten wir plötzlich die ,Snow Lion' in Sicht. Just als wir zum Überholvorgang ansetzen wollten, platzte uns der Kite (ja, das haben wir auch auf dieser Reise gelernt: Die Profis sagen gar nicht Gennaker, sondern Kite). Also, es machte kurz ,Peng', das Schiff richtete sich auf, und der schöne Kite flog uns in Fetzen um die Ohren. Na ja, half nichts, alle Mann die Fetzen bergen."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Heute hat uns zum ersten Mal seit Tagen wieder ein nebelfreier Sonnenaufgang begrüßt, und den ersten Pottwal gab es auch zu sehen. In der Nacht zuvor müssen wir schon einige andere dieser Gesellen passiert haben. Es roch nach vergammeltem Fisch - das kann nur schlechter Wal-Atem gewesen sein."

Tag 10 "Maiden": "Heute begleitete uns eine kleine Weile ein circa 6 Meter langer Hai. Der Nebel ist extrem dicht. Die Feuchtigkeit krabbelt in die Segelkleidung, meine Brille ist innerhalb kürzester Zeit mit dicken Tropfen beschlagen und undurchsichtig. Wir werden uns auf stärkeren Wind und einen schnellen Raumschotskurs ab morgen Abend einstellen."

"Seeadler": "Wir braten mit geschmeidigen 9 Knoten durch die Nacht. Es ist duster wie im Bärenarsch, und ich hoffe, dass auf unserem Kurs kein pennender Wal rumdümpelt."

"Varuna": "Es hat angefangen zu regnen. Das hat einen Vorteil: Es gibt wieder Trinkwasser! Da der Watermaker nicht so recht arbeiten will, ging es in Sachen Trinkwasser an die Reserven. Aber mit einem Kanister frischen Regenwassers und der Aussicht auf eine Halse haben wir keine Sorgen um unseren Durst und wie wir ihn stillen können."

"Grey Goose": "Wir versuchen, einer Schwachwindzone aus dem Weg zu gehen, deshalb fahren wir eine kleine Kurve. Wir haben erfahren, dass die ,Bank von Bremen' ca. 42 Meilen achteraus in unserem Kielwasser fährt. Immer gut, wenn die Bremer den Hamburgern folgen."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Wir haben unser Bergfest gefeiert. Mit lecker Sherry - mehr gab's nicht! Ich werde mir jetzt noch einen kleinen Rest der Trekking-Mousse-au-Chocolat von gestern genehmigen. Der Brei ist in der Konsistenz zwar irgendwo zwischen Fliesenkleber, halb ausgehärtetem Bauschaum und Fugenmasse einzuordnen, schmeckt aber nach purer Sünde. 100 Prozent Hüftgold!"

Tag 11 "Peter von Seestermühe": "Heute Nacht hat uns die ebenso langerwartete wie unerwünschte Flaute schließlich doch erreicht. Mühsam und zäh, aber unerschütterlich, ringen wir der stillen See Meile für Meile ab."

"Chieftain": "Unsere letzte Haushaltskrise dreht sich darum, dass uns die Schokolade ausgegangen ist. Allerdings konzentrieren sich die meisten an Bord gedanklich bereits auf das Bier und das Willkommen, das es in Hamburg geben wird."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Derzeit haben wir strahlend blauen Himmel . . . das sollte uns eigentlich freuen, aber wir wissen ja, dass uns leider wenig Wind erwarten wird. Dann doch lieber die graue Suppe der letzten sieben Tage mit etwas mehr Druck! Wir haben angenehme 22 Grad unter Deck. Wärmer dürfte es auch nicht sein, sonst würde es noch mehr miefen."

"Luv": "Wir bereiten uns auf einen Sturm vor. In 24 Stunden gibt's ganz besonders schnelle Luft. Windgeschwindigkeiten bis zur Stärke 9 bis 10 Beaufort sind vorhergesagt. Und wir segeln genau hinein in dieses Sturmtief. Sturmfock und Trysegel liegen bereit für den Fall, dass es noch dicker kommt. Am Abend wieder Wale. Die Riesen mit dem dicken Kopp, Pottwale, springen spektakulär aus dem Wasser und schieben eine mächtige Welle. Tolles Schauspiel."

"Parsifal III": "Gennaker reißt ein und wird eingeholt. Berry und Crew wurden auf dem Vorschiff mit Nadel und Faden beim Reparieren gesichtet. Dann die Sensation: Wir sichten die "Gorch Fock"!!! Was für ein erhebender, sensationeller Anblick! Allen schlägt das Herz höher. Ralf nimmt Funkkontakt auf. Das Horn wird beidseitig geblasen."

Tag 12 "Iskareen": "Augenscheinlich hat uns das Sturmtief von hinten eingeholt, auf dessen Rückseite die Maxis aus dem zweiten Start herangeflogen kommen. Da das Tief südlich von uns durchziehen wird, bedeutet dies für uns eine lange Kreuz nach Fair Isle. Nun heißt es aufmerksam trimmen - wir hoffen, die Upwind-Eigenschaften unserer Mittelmeerrakete voll ausspielen zu können. Besonders bei Leichtwind sollten wir gut fahren."

"Chieftain": "Irland liegt nur 30 Meilen von uns entfernt - fast nah genug, um das Guinnes zu riechen! Unser Navigator Hamish Oliphant hat den wenig beneidenswerten Job, einen Weg durch das Labyrinth aus windlosen Löchern zu finden, die uns seit einigen Tagen plagen. Gegen Mittag begann es zu regnen, und der Wind legte sich völlig. Wir opferten dem Windgott eine Tasse heiße Schokolade, um ihn zu besänftigen."

"Luv": "Unser Boot zeigt bei dem langsam sich verschlechternden Wetter, welch gutes Hochseeschiff es ist. Zwei Stunden stehe ich am Ruder und nicht einmal muss ich das Rad mehr als einen Zentimeter bewegen. Die ,Luv' läuft wie auf Schienen, perfekt getrimmt, sehr hoch am Wind und recht flott. Es regnet in Strömen. Das soll die ganze Nacht so weitergehen und morgen von Dauerregen abgelöst werden, der später besonders heftig fallen soll. Segeln, wir erfahren es sozusagen bis auf die Haut, ist nun mal ein Wassersport."

"Norddeutsche Vermögen Hamburg": "Unser leichter Runner hat die letzte Nacht nicht ganz so gut überstanden, ihn ziert jetzt ein unschöner langer Riss. Die Reparatur ist im Gange. Aber angesichts der Wetterprognosen zweifeln wir daran, dass wir ihn nochmal brauchen können. Er ist eben nur für die leichtere Gangart gedacht. Derzeit sind wir dabei, das Schiff für die holprige Fahrt gen Fair Isle vorzubereiten. Alles wird wieder seefest verstaut."

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