Serie: Hamburg am Wasser - das Abendblatt stellt Flüsse vor

Diekbek - anonym in freier Natur

Duvenstedts neues Zentrum hat, was man so braucht: Haspa und Kaufhaus, Kosmetikstudio und Ambulanten Pflegedienst, Travelshop und Haardesign, Steuerberater und Psychologische Praxis. Für den Bach, dem das Dorf einst Leben und Wohlstand verdankte, bleibt da kein Platz mehr, er muss ins Rohr.

Dabei durchläuft er genau unter der Straße eine interessante Metamorphose: Von Westen kommt er als "Tangstedter Graben" geflossen, im Osten aber strebt er als "Diekbek" der Alster zu - und wie:

Wild rauscht das Wasser durch einen tiefen Canyon, undurchdringliches Dickicht säumt sumpfige Ufer, eine uralte Eiche streckt dem Eindringling abwehrend die kahlen Arme entgegen.

Eichelhäher warnen den Wald vor jedem Wandersmann, in den Eschen und Erlen wird es bald schattig. Hat der zwei Meter breite Wasserlauf die Geest durchschnitten, mäandert er durch Röhricht und Großseggenried, bis er sich, jedem menschlichen Blick und Schritt entzogen, in die Alster ergießt.

Die Diekbek wächst aus drei Quellflüssen zusammen: Der Wittmoorgraben kommt aus dem Naturschutzgebiet Wittmoor, fließt einen halben Kilometer durch Nasswiesen zwischen Uferstauden, später auch durch Erlenbruch, und mündet am Puckaffer Weg in ein Teichsystem aus naturnahen Stillgewässern.

Der Mesterbrooksgraben kommt vom Parkberg im Süden, rinnt, von einer Röhricht- und Hochstaudenflur fast zugewachsen, durch Viehweiden und endet seinen Lauf im Nachbarteich. Dahinter machen Schieber Schluss mit beiden Bächen, denn dort liegt das Duvenstedter Freibad, und das holt sein Wasser lieber aus einem 23-Meter-Tiefbrunnen hoch.

Der Tangstedter Graben beginnt am Tangstedter Forst und bildet ein paar Hundert Meter lang die Landesgrenze Hamburgs zu Schleswig-Holstein.

Vor dem Duvenstedter Weg biegt der Graben endgültig nach Süden und empfängt kurz vor dem Backsteinschlund der Lohe-Unterquerung noch letzte Grüße der Zivilisation in Form von Plastikflaschen und einem leeren Partyfässchen Pils.

Als Diekbek wieder an der frischen Luft, muss der Bach dann nur noch hundert Meter Einzel- und Reihenhäuser hinter sich lassen, bis er endlich in die freie Natur entlassen wird, versteckt und auch ziemlich anonym: Seinen Namen kennen nicht einmal die Waldarbeiter, die mit Forke und Motorsäge die Wege gangbar halten.