Idylle pur am Goldbekkanal

Serie: Hamburg am Wasser - das Abendblatt stellt Flüsse und ihre Geschichte vor (Teil 1)

Die Touristin aus Brasilien war begeistert: "Wie wunderschön Ihre Stadt doch ist", schwärmte sie auf einer Kanalfahrt durch Winterhude, "alles so sauber und gepflegt, sogar die Slums!" Der Kapitän klärte die Frau auf: Nicht Notleidende wohnen in den schmucken Gartenhäuschen inmitten bunter Blütenpracht, sondern die Kleingärtner vom Goldbekkanal. Sie sind oft beneidete Nutznießer hamburgischer Stadtnatur.

Ob das Bächlein einst wirklich Gold führte, verhüllt die Vergangenheit. Gold wert war jedenfalls die Idee, den Bach zu einem Kanal aufzupumpen, der seit 1914 sehr viel Arbeit in den Norden brachte: 1925 hatte Winterhude mit 32,3 Prozent den höchsten Industrieanteil aller Stadtteile. Darunter etwa die Firma Schüle & Mayr am Moorfurthweg, deren Desinfektionsmittel Lysol gegen Cholera-Epidemien und Tropenkrankheiten Wunder wirkte.

Ihr Verwaltungsgebäude gibt inzwischen als "Goldbekhaus" der Stadtteilkultur eine Adresse.

Heute ist der sanft geschwungene Wasserweg zwischen Stadtparksee und Rondell wohl der einzige Hamburgs, dem weder Wanderer noch Radfahrer zu nahe treten: Kleingärten, Bootswerften, Fabriken und Wohnhäuser lassen kaum einen Meter frei. Dafür tummeln sich auf dem Kanal in diesen Tagen Tret-, Schlauch- und Ruderboote, Kanus, Kajaks und Canadier so dicht wie nirgends sonst in der Hansestadt.

Trotz der Idylle - Hans Bahlow (1900 bis 1982), Lehrbeauftragter für Namensforschung und Handschriftenkunde an der Hamburger Uni, witterte bei der Untersuchung des Namens Goldbek Unrat: "Goldbach beruht mitunter auf der Umdeutung aus Gol-bach", schrieb er, "Gol" aber sei ein uraltes Wort für "Schmutzwasser" oder "Morast".

Morgen: die Isebek