Zwischenruf

Ein Junge namens Üffes

Elias-Krishna Nölte. Cassandra Phoebe Garz. Barabas Horstkötter. Calimero Schmidt. Ja, es gibt sie immer öfter, diese ganz besonderen Kinder: von den stolzen Eltern mit Vor- und Rufnamen versehen, die sie nicht nur einzigartig machen, sondern auch zu potenziellen Mobbingopfern durch Gleichaltrige in Kindertagesstätten, Kindergärten und auf Schulhöfen. Warum tun die Eltern ihren Kindern das an? Eine Erklärung für die Lust am exotischen Namen könnte die inzwischen untersuchte Wahrheit sein, dass Jungen mit den Modenamen Kevin, Justin, Dustin oder Jason und Mädchen, die Chantal, Jacqueline, Samantha oder Mandy heißen, überproportional häufig aus den sogenannten bildungsfernen Bevölkerungsschichten stammen. Akademikerkinder dagegen, vorzugsweise mit "einfachen" (Mode-)Namen wie Lukas, Jonas oder Robert respektive Anna, Marie oder Paula haben es - auch das ist inzwischen nachgewiesen - meistens leichter im Leben.

Bleibt die Frage, wie sich Üffes entwickeln wird, ein hübscher blonder Bengel von vielleicht vier Jahren, der neulich das Wartezimmer meines Zahnarztes mit Bauklötzen aufmischte. "Üffes", sagte seine blonde Mutter immer wieder, "hör auf damit, sonst wird die Mutti traurig." Aber Üffes wollte seine Mutter weinen sehen. Mich aber interessierte bloß der Name, den ich noch nie gehört hatte, und so fragte ich die Mutter, woher dieses "Üffes" wohl stammte und wie man es schreiben würde. "Aus Frankreich", antwortete die Mutter verblüfft und buchstabierte ihn bereitwillig: "Y-v-e-s." Aha, dachte ich, also so wie Montand, und hatte keine Fragen mehr.