Nachspiel

Johnsons Kampf ist nicht gewonnen

Ein Kommentar von Achim Leoni

Amerikas Basketballlegende lebt. Ja, Magic Johnson erfreut sich sogar bester Gesundheit. Er hat damit ein Versprechen eingelöst, das er der Weltöffentlichkeit vor 20 Jahren gegeben hat: dass er trotz seiner Infektion mit dem HI-Virus noch lange zu leben gedenke. Und er hat wie angekündigt einen großen Teil seiner Kraft seither in die Aufklärungs- und Präventionsarbeit gesteckt.

1991 kannten die wenigsten überhaupt den Unterschied zwischen HIV und Aids. Johnson hat die Krankheit ins öffentliche Bewusstsein gehoben. Er hat sie vom Rand in die Mitte der Gesellschaft gerückt und allen bewusst gemacht: Das Immunschwächevirus kann jeden treffen, auch die Stärksten unter uns. Nicht alle Infizierten können sich wie Johnson teure Medikamente leisten, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Aber der Kampfgeist, mit dem er ihr begegnete, macht Johnson weit über seine Leistung als begnadeter Basketballer hinaus zu einem Vorbild. Wer weiß, ob es ohne seine legendäre Pressekonferenz heute Profisportler gäbe, die offen über Burn-out sprechen?

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und der Aids-Toten ist seit einigen Jahren rückläufig. Aber die Jugendlichen, das beweisen Studien, gehen zunehmend sorglos mit dem Thema um. Die Krankheit ist im Begriff, wieder aus unserem Bewusstsein zu verschwinden. Sie hat Magic Johnson nicht besiegt. Aber sein Kampf ist auch nach 20 Jahren noch lange nicht gewonnen.