Offen gesagt

Spielplan per Volksabstimmung

Ein Kommentar von Armgard Seegers

Ganz Griechenland wollte Premier Papandreou über die Zukunft des Landes abstimmen lassen. Ähnlich macht's nun das Thalia. Wenn auch nur mit dem Spielplan. Da sollen alle Hamburger nun darüber entscheiden, was im kommenden Jahr auf der Bühne zu sehen sein soll, man bittet um Vorschläge. Kommt jetzt "Cats" zurück nach Hamburg? Werden Lokalhelden wie Hanns Henny Jahnn oder Barlach gespielt? Nicht auszudenken, so langweilig wäre das. Auch für Schwerstblütiges von Bruckner, Corneille oder Grabbe erwärmen sich hoffentlich nur Minderheiten.

Gefürchtet ist das verkopfte Dramaturgentheater. Aber was passiert auf der Bühne, wenn die Menge abstimmt? Ganz viel "Fisch zu viert" und "Der letzte der feurigen Liebhaber"? Oder Brecht, mit der Witwe Begbick und ihren fünf Kindern, die nur ein Brot haben? Hinterm halben Vorhang. Vielleicht ist das mit der Volksabstimmung keine so gute Idee. Dramaturgen und andere Theaterleute machen ihren Job nämlich gar nicht schlecht. Expertentum ist gut. Schließlich stimmen wir auch nicht mehrheitlich darüber ab, wie man einen Bruch operiert oder einen Fernseher repariert. Jeder macht das, was er kann. Zuschauer schauen zu. Kritiker kritisieren. Demnächst dann neben dem Regietheater auch das Zuschauertheater.