Hamburgs Mieten - wo sie steigen, wo sie fallen

Neue amtliche Übersicht: Wohnungen im Schnitt 5,8 Prozent teurer als 2009. Bis zu 16 Prozent mehr für Altbauten in guter Lage. 60er-Jahre-Häuser bis zu 7,75 Prozent günstiger

Hamburg. Die Preisspirale auf Hamburgs Wohnungsmarkt dreht sich immer schneller. Im Schnitt sind die Netto-Kaltmieten in den vergangenen zwei Jahren um 5,8 Prozent oder 39 Cent je Quadratmeter gestiegen. Das zeigt der neue Mietenspiegel, den Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) gestern vorstellte.

Schon zwischen 2007 und 2009 waren die Mieten um 3,6 Prozent gestiegen. Sie ziehen damit seit 2001 kontinuierlich an. Im Durchschnitt kostet der Quadratmeter in nicht geförderten Wohnungen zurzeit 7,15 Euro. Bei der Erhebung im Jahr 2009 waren es 6,76 Euro. Überdurchschnittlich verteuert haben sich gut ausgestattete Altbauwohnungen in zentraler Lage, wie etwa in Eppendorf, Winterhude oder Rotherbaum. Wer auf Stuck an den Decken, einen Holzdielenfußboden und das Ambiente der Gründerzeit Wert legt, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Um bis zu 1,51 Euro auf durchschnittlich 10,88 Euro stieg der Quadratmeterpreis für entsprechende Altbauwohnungen in guter Wohnlage. Das sind 16 Prozent mehr als 2009.

Auch kleine Wohnungen mit bis zu 65 Quadratmetern sind in der Single-Hauptstadt Hamburg stark gefragt. Sie verteuerten sich in normaler Wohnlage um bis zu 55 Cent auf 6,92 Euro je Quadratmeter. In guter Wohnlage stieg die Miete sogar um bis zu 1,36 Euro auf 8,67 Euro je Quadratmeter.

Eine günstige Unterkunft zu finden wird in Hamburg immer schwieriger. Der Anteil der Wohnungen zu weniger als sechs Euro Quadratmetermiete sei von 48 auf 33 Prozent gesunken, sagte Jutta Blankau. Wer weniger als fünf Euro zahlen will, braucht noch mehr Glück. Der Anteil solcher Wohnungen liegt in Hamburg bei nur noch 7,6 Prozent, halb so viel wie noch 2009.

Etwas günstiger geworden ist dagegen das Wohnen in Mietshäusern ab Baujahr 1961. So sanken die Mieten für große Wohnungen ab 91 Quadratmeter in normaler Wohnlage in Nachkriegsbauten, wie sie vermehrt etwa in Barmbek, Hamm, Wandsbek oder Lurup zu finden sind, um bis zu 51 Cent auf 6,07 Euro je Quadratmeter - ein Rückgang von 7,75 Prozent. Auch für größere Wohnungen in Häusern ab Baujahr 1994 in guter Lage werden bis zu 69 Cent je Quadratmeter weniger verlangt. Hier liegen die Quadratmetermieten jetzt bei 9,47 Euro.

Der jetzt vorgelegte Mietenspiegel sei die "Schlussbilanz von zehn Jahren CDU-geführter Wohnungsbaupolitik", sagte die Stadtentwicklungssenatorin. Sie rechnet auf längere Sicht mit niedrigeren Mieten, nachdem SPD-Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das Ziel von jährlich 6000 neuen Wohnungen vorgegeben hatte. Staatsrat Michael Sachs berichtete von einem "sprunghaften Anstieg" der Baugenehmigungen. Deshalb sei man optimistisch, dieses Ziel bis 2013 zu erreichen.

Der Mieterverein zu Hamburg bemängelte, dass Normalhaushalte immer größere Schwierigkeiten hätten, ihre Miete zu bezahlen. Es gebe einen Fehlbestand von "mehr als 40 000 Wohnungen", sagte der Vorsitzende Eckard Pahlke. Der Grundeigentümerverband beruhigte dagegen: Vermieter wüssten, dass "ständiges Drehen an der Mietpreisschraube" zu erhöhter Fluktuation führe, die die "höheren Mieteinnahmen wieder auffrisst", sagte Geschäftsführer Torsten Flomm.