Kommentar

Schul-Konzept mit Fragezeichen

Hamburgs ehrgeizige Pläne sind noch nicht finanziert

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) macht Lehrern, Eltern und Schülern ein Wohlfühlangebot: Sein Entwurf für den neuen Schulentwicklungsplan sagt Ja zu allen Standorten, egal wie klein sie auch sein mögen. Verteilungskonflikte sind somit praktisch ausgeschlossen. Mehr noch: Rabe will zwei Gymnasien, zwei Stadtteilschulen und eine Grundschule neu gründen oder wieder einrichten.

Dieses Vorgehen ist strategisch klug und schulpolitisch nachvollziehbar. Rabes "Wir erfüllen alle Wünsche"-Kurs ist strategisch klug, weil nach dem Chaos und der Unsicherheit, die die letztlich unglückselige, weil gescheiterte Reform bei allen Beteiligten an den Schulen ausgelöst hat, der Wunsch nach Beständigkeit und Ruhe übermächtig ist.

Das Vorgehen des Senators ist schulpolitisch legitim, weil das Hamburger Schulsystem gegen den Bundestrend weiter wächst. Mit anderen Worten: Der Bedarf an Klassenräumen und Schulen steigt also weiter an.

Wie bei jeder guten Medizin gilt es aber auch hier, die Risiken und Nebenwirkungen zu beachten. Rabes schöne Schulplanung klammert die Sonder- und Förderschulen aus. Schon jetzt brechen die Anmeldezahlen an diesen Schulen ein, weil immer mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den Regelschulen angemeldet werden. Der Rechtsanspruch auf Inklusion macht es möglich.

Mittelfristig werden etliche der Sonderschulstandorte nicht mehr zu halten sein. Rabe wird Standorte schließen müssen. Die Eltern, die ihr behindertes Kind weiterhin auf eine Sonderschule schicken wollen, werden dann unter Umständen längere Wege in Kauf nehmen müssen. Hier droht der Konflikt um die Verteilung knapper werdender Mittel.

Und selbstverständlich ist noch nicht ausgemacht, ob Senat und Bürgerschaft am Ende genug Geld bereitstellen, um die ehrgeizigen Pläne Rabes zu Neu- und Erweiterungsbauten zu verwirklichen. Derzeit gibt es nur eine recht grobe Schätzung der Kosten, die mehr von Hoffnung als von Wissen getragen ist.