Zwischenruf

Der Apfel und die Schlange

Eine Glosse von Hans Wacker

Ganz früher war auch nicht alles schlecht. Nehmen wir mal Adam und Eva. Die frisch Verliebten konnten in ihrem paradiesischen Garten Äpfel und Birnen miteinander vergleichen, ehe sie eine Frucht pflückten, sie konnten friedfertige Tomaten essen, die nicht aus dem Zuchthaus kamen. Und um die Weihnachtszeit gab es immer Erdbeeren satt. Im Dezember und nicht im Juni deshalb, weil der CO2-Ausstoß im Paradies seinerzeit deutlich geringer war und der Klimawandel erst später einsetzte.

Dann passierte allerdings diese dämliche Geschichte mit dem Apfel und der Schlange - und vorbei waren die herrlichen Zeiten. Wir spüren das noch heute. Wenn wir zum Markt gehen, stehen wir in der Schlange, um Äpfel zu kaufen.

Es gibt zwei Gründe, warum sich Schlangen bilden: Entweder ist eine Ware ganz knapp, oder es gibt zu viele Menschen, die gleichzeitig etwas verlangen. Und das sogar in Zeiten, in denen man das meiste auch im Internet bestellen kann. Der FC St. Pauli zum Beispiel entdeckte kürzlich, dass da noch Karten für Fußballspiele nicht verkauft waren. Prompt standen Anhänger des Klubs in einer langen Schlange vor der Resterampe. Der Anstand gebietet es, an dieser Stelle nichts über den HSV zu verlieren - das schafft der schon alleine.

Auf dem Jungfernstieg stellten sich am Sonnabend mehr als 1000 Menschen in einer Schlange an und warteten teilweise bereits seit dem Vorabend darauf, dass sich die Tür zum iParadies öffnet, wo es Pads und Pods gibt. Der Apple der Versuchung und die Schlange. Womit wir wieder bei Adam und Eva wären.