Stadtentwicklung

320 Millionen Euro für Hamburgs neue Uni

Foto: Senat HH

Die Saga finanziert Großprojekt am Schlump und vermietet Gebäude an Hochschule. Baubeginn in zwei Jahren geplant. Baudauer: zehn Jahre.

Rotherbaum. Die Ausmaße des Projekts sind schier gigantisch. Links und rechts der Bundesstraße, zwischen Schlump und Rentzelstraße, wird fast jedes Gebäude abgerissen. In etwa zehn Jahren Bauzeit entsteht dort ein komplett neues Viertel für die Universität Hamburg. 320 Millionen Euro wird das Mammutprojekt zunächst kosten. Gestern präsentierte eine Jury die Architekten, deren Entwürfe für den Masterplan sowie für ein zentrales Gebäude überzeugten. Anfang 2013 könnte mit dem Bau begonnen werden.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Saga-GWG wird das Projekt finanzieren und die Gebäude errichten. Das gab Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) bei der Vorstellung der Siegerentwürfe bekannt. Die Universität werde die Gebäude bei Fertigstellung dann von der Saga zu "marktüblichen Preisen" anmieten. Die Mehrkosten würden aus dem Haushalt der Stadt zur Verfügung gestellt. Wie viel das sein werde, das sei heute allerdings noch nicht bekannt.

Sieger des Bereichs "Städtebau", also der Masterplan für den Campus Bundesstraße der Fakultät Mathematik, Informatik und Naturwissenschaft (MIN-Fakultät), ist das Team von Raumwerk Architekten aus Frankfurt am Main, SEHW Architekten aus Hamburg und der Gesellschaft für Technik am Bau aus Berlin. "Der Campus Bundesstraße war bislang ein toter Fleck. Es gab keine Verbindung zur Grindelallee und damit dem Rest der Universität", sagte Oberbaudirektor Jörn Walter. Der Siegerentwurf schaffe eben diese Verbindung. Die neuen Häuser würden durchschnittlich sechs Geschosse hoch sein und sich damit in die bestehende Bebauung einfügen. Zudem würden zwei zehngeschossige Hochhäuser entstehen. Vom Tisch ist der Plan eines "Zwillingsturms" neben dem Geomatikum. Letzteres misst 18 Stockwerke und bleibt damit das höchste Gebäude. Wie genau die Gebäude aussehen werden, ist noch nicht entschieden. Sicher ist aber, dass nur drei Gebäude der Universität erhalten bleiben. So wird das Geomatikum komplett saniert. Erst wenige Jahre alt ist das Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften. Und das dritte Gebäude ist das bereits kernsanierte Deutsche Klimarechenzentrum.

Der Fachbereich Informatik kehrt zudem wieder an die Universität zurück. Bislang war er nach Stellingen ausgelagert. Ein Umstand, den Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) als "Paukenschlag" für Eimsbüttel bezeichnete. Der frei werdende Platz in Stellingen könne auf diese Weise für Wohnungsbau genutzt werden.

+++ Campus-Umgestaltung: Hamburger setzen sich durch +++

Auf absehbare Zeit wird das Areal rund um die Bundesstraße also zur Dauerbaustelle. Sevecke kündigte auch an, dass bei der Planung des neuen Campus Fahrrad- und Fußwege sowie die Anbindung durch den öffentlichen Personennahverkehr im Vordergrund stünden. "Die meisten Menschen bewegen sich an der Uni eben mit Bus, Bahn oder Fahrrad."

Oberbaudirektor Walter betonte, dass es keine "Totalsperrung" der Bundesstraße geben werde. "Es stellt sich aber die Frage, wie viel Verkehr dort fließen soll und wie schnell." So soll gewährleistet werden, dass die Bundesstraße leichter als bislang zu Fuß überquert werden kann.

Immerhin ein Teil des Bundesstraßen-Projekts nimmt bereits jetzt konkrete Formen an. Rund um das Geomatikum entsteht der KlimaCampus. Im Wettbewerb haben sich die Hamburger APB Architekten sowie HTP Architekten und die Kofler Energies Ingenieurgesellschaft aus Braunschweig mit ihrem Entwurf durchgesetzt.

Neben den Geowissenschaften, dem Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaften wird das sogenannte Exzellenzcluster CliSAP dort einziehen. Mit diesem Wissenschaftsbereich hat sich Hamburg im Wettbewerb der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgesetzt und bekommt damit 25 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel vom Bund. Der Forschungsverbund CliSAP beschäftigt sich mit der Analyse und der Vorhersage von Klimasystemen. Dass der Verbund nun in den Neubau einzieht, ist für die Universität von hoher Wichtigkeit.

Damit erhöhen sich die Chancen für eine Verlängerung des Projekts und somit weitere Fördermittel.

Im Dezember beginnt dafür die erste Anhörung. Universitätspräsident Dieter Lenzen zeigte sich dementsprechend erleichtert. "Jetzt können wir sagen: Es wird auch wirklich gebaut."