Rätselhafte Traueranzeige

An welch banalen Dingen Familien zerbrechen können

| Lesedauer: 20 Minuten
Volker ter Haseborg

Foto: Volker ter Haseborg

Im Hamburger Abendblatt erschien unlängst eine rätselhafte Traueranzeige. Es geht um eine Fehde zweier Frauen um die Liebe eines Mannes.

Hamburg. Zwei Tage hat Marit überlegt, ob sie den endgültigen Bruch will. Soll ich? Auf diese Weise? Gehe ich zu weit? Als sie sich für den endgültigen Bruch entschieden hatte, wählte sie eine Hamburger Nummer. Sie nannte den Namen ihres Vaters, seinen Geburtstag, seinen Todestag. Dann diktierte sie den Satz, der in der Zeitung stehen sollte. Die Frau von der Anzeigenabteilung stutzte, musste erst mit ihrem Chef besprechen, ob so etwas möglich sei. Es war möglich. Als Marit aufgelegt hatte, war sie erleichtert. "Ich habe das für Papa getan", sagt sie heute.

Irmgard (Name geändert) liest das Hamburger Abendblatt täglich, Seite für Seite. Das wusste Marit. Am Mittwoch, dem 3. August, zwei Tage vor der Trauerfeier für ihren verstorbenen Mann, blätterte Irmgard die Zeitung durch. Auf der Seite mit den Todesanzeigen fiel ihr Blick auf einen bekannten Namen, sie blätterte aber erst weiter. Dann blätterte sie zurück. Da stand der Name ihres verstorbenen Mannes. Auf Seite 13. Dann klingelte das Telefon. Freunde und Verwandte riefen an: "Hast du's schon gelesen?" In der Todesanzeige stand:

"Hallo Papa

Ich habe davon Abstand

genommen, die Wahrheit immer

auszusprechen und mich einfach

mit vielen Dingen abgefunden.

Deine Tochter Marit"

Es ist ein Text, der neugierig macht. Eine Familienangelegenheit wird in die Öffentlichkeit gebracht. In dem Moment, in dem das Familienoberhaupt nicht mehr da ist, bricht die Tochter ein Tabu und liefert ihre Familie dem Getuschel der Leute aus. Peinlich. So was gehört sich nicht. Was ist die Wahrheit? Mit welchen Dingen hat sich die Tochter abgefunden? Warum sucht sie die Öffentlichkeit?

+++ Wenn Kinder aus einer früheren Beziehung zur Altlast werden +++

Die Suche nach Antworten führt auf die Insel Helgoland, wo Marit lebt. Und nach Billstedt, wo ihre Stiefmutter Irmgard wohnt.

Marit ist die Tochter aus erster Ehe des Verstorbenen, Irmgard die zweite Frau. Beide trauern. Doch die Trauer eint sie nicht, sie entfernt sie noch weiter voneinander. Und so ist die Geschichte der Todesanzeige aus dem Abendblatt auch eine Geschichte zweier Frauen, die nicht miteinander reden. Wie viele Väter, Mütter, Söhne und Töchter sich anschweigen, weil ein falsches Wort gefallen ist, eine Geste falsch verstanden wurde; von außen betrachtet sind es Banalitäten, die zum Bruch führen. Eine alltägliche Geschichte also zu einer Zeit, in der immer mehr Ehen geschieden werden und es immer mehr zusammengewürfelte Familien gibt wie die von Marit, ihrem Vater und Irmgard.

Marit raucht viel, seit dem 7. Juli, an dem ihr Vater starb. Sie ist 63, zweimal geschieden, Mutter zweier erwachsener Söhne. Ihr dritter Sohn ist im Alter von nicht einmal einem Jahr gestorben. Marit ist ein Kumpeltyp, rot gefärbte Haare, roter Pulli, viel Make-up, lautes Lachen. Marit sitzt im Wohnzimmer ihrer kleinen Helgoländer Wohnung und sucht nach Fotos, auf denen ihr Vater zu sehen ist. Es gibt nicht viele Bilder. Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt einen Mann mittleren Alters mit verwuschelten dunklen Haaren, kurzer Hose. "Das war am Bootssteg. Er hat sich ein eigenes Motorboot gebaut. Mit Kajüte."

Marits Vater war Tischler, seine Werkstatt stand hinter jedem Haus, in dem die Familie wohnte - erst in Billstedt, dann in Neuengamme. Ihr Vater habe ihr bei den Schulaufgaben geholfen und nachts mit ihr am Himmel nach Sternschnuppen gesucht, sagt Marit. "Als ich älter war, habe ich mit meinen Freunden im Garten Party gemacht und deutsche Schlager gespielt. Das fand er gut. Wir hatten viel Spaß mit Papa." Ihr Vater spielte Seemannslieder auf dem Akkordeon, er war im Schießklub, spielte Skat und Schach. Ein Mann, der gesellig war und trotzdem still.

Als Marit mit 14 ihren ersten Freund hatte und abends zu spät nach Hause kam, habe ihr Vater an der Gartenpforte auf sie gewartet. "Wo kommst du denn her? Ich habe schon gedacht, es ist etwas passiert, mein Deern", habe er gesagt. "Mein Deern" - so hat er sie bis zuletzt genannt.

"Er war der ruhende Pol in der Familie, vielleicht ein bisschen phlegmatisch", sagt Marit. Die Ehe ihrer Eltern sei nicht glücklich gewesen. Wenn es zum Streit kam, zog sich der Vater in seine Werkstatt zurück. 1985, Marit war längst aus dem Haus, wurde die Ehe geschieden. Endlich, findet Marit, die nicht viel Gutes über ihre leibliche Mutter sagt. 1986 lernte ihr Vater Irmgard kennen. Er war damals 60 Jahre alt, Marit 37, Irmgard 55.

"Mein Mann und ich - das war von Anfang an eine Einheit." Irmgards Blick fällt auf das Foto ihres Mannes auf dem Kaminsims. Er hatte weißes Haar, einen kurzen Schnurbart, auf dem fünf Jahre alten Foto lächelt er verschmitzt. Irmgard sitzt im Wohnzimmer des Hauses, das sie vor 24 Jahren mit ihrem Mann gekauft und ausgebaut hat. Irmgard ist 81 Jahre alt, von ihrem ersten Mann wurde sie geschieden, aus ihrer ersten Ehe hat sie zwei Töchter. Sie ist eine, die sich mit Nachbarn siezt. Ihr Blick ist misstrauisch, ihre Kleidung hat gedeckte Farben. Die Möbel im Wohnzimmer sind dunkel. Aus dem Fenster sieht man den gepflegten Garten, vor dem Haus steht eine Deutschland-Fahne.

Über eine Kontaktanzeige im "Wochenblatt" hatte sie ihren Mann kennengelernt. "Welcher Herr bis 60, in geordneten Verhältnissen, mit Herz und Geist, möchte mich kennenlernen?", hatte sie inseriert. Ihr gefiel sein Humor. Sie sagt, er habe ihre Stärke geschätzt. "Ich war seine Stütze." Er nannte sie "meine Musch", bis zuletzt.

Elf Monate, nachdem er auf ihre Anzeige geantwortet hatte, kauften sie das Haus. "Das war das schönste Jahr überhaupt", sagt Irmgard. Am 12. Oktober 1990 heirateten sie. Die Verhältnisse waren wieder geordnet. Mit ihren Töchtern habe sich ihr Mann von Anfang an gut verstanden.

"Was Irmgard gesagt hat, war Gesetz", sagt Marit. Wenn sie über ihre Stiefmutter spricht, kneift sie die Augen zusammen, ihre Stimme wird lauter.

Die ersten Begegnungen mit der neuen Stiefmutter seien kühl gewesen. "Ich war eben nur sein Kind. Das hat sie mich spüren lassen." Bei Besuchen im Billstedter Haus sei Irmgard ihr häufig ins Wort gefallen und habe eine unfreundliche Atmosphäre geschaffen. Nach höchstens einer Stunde sei sie wieder gegangen. Marit sagt, anfangs sei sie noch zu Grünkohlessen eingeladen worden, später nicht mehr. Außerdem habe Irmgard ihren eigenen Töchtern und deren Familien Geld gegeben, während sie leer ausgegangen sei.

"Mein Mann war nicht gerade sehr entscheidungsfreudig", sagt Irmgard. "Aber ich habe grundsätzlich alles mit meinem Mann abgesprochen. Warum er so auf mich fixiert war, weiß ich nicht. Vielleicht habe ich ihn zu sehr verwöhnt. Er hat oft gesagt: ,Mach mal, wie du meinst.' Er fühlte sich hier geborgen und wohl." Dass die Tochter aus erster Ehe nicht willkommen gewesen sei, stimme nicht. Sie habe ihr zum Geburtstag Geld aufs Konto überwiesen und sie auch immer mit offenen Armen empfangen. "Wenn sie sich so unwohl gefühlt hat, hätte sie auch gar nicht zu kommen brauchen. Sie war immer die Erste, die ging. Warum? Wir sind eine sehr offene Familie. Unsere Familie ist wirklich so was von intakt."

Selbstverständlich sei Marit immer zum Grünkohlessen eingeladen gewesen. Aber dann sei sie nicht mehr gekommen. "Weil sie Krach mit ihrem Vater gehabt hat. Es war nach dem Tod ihres Kindes. Dann war 20 Jahre Funkstille." Ihr Mann habe nie über den Streit gesprochen. "Ich habe auch bewusst nicht darüber geredet. Es ist nicht mein Kind, es ist sein Kind." Marit habe auch mit ihren eigenen Söhnen immer wieder Streit gehabt.

Marit sagt, dass es höchstens eineinhalb Jahre Funkstille gewesen seien. Damals vor 21 Jahren, als ihr dritter Sohn gestorben war. "Papa hatte mir und meinem zweiten Mann ein Bett für den Jungen geschenkt. Nach dem Tod des Kindes habe ich das Bett sofort verschenkt, ich konnte es nicht mehr sehen. Zwei Tage nach dem Tod rief Papa an und sagte: ,Wir wollen das Bett zurück.' Falls eine von Irmgards Töchtern ein Kind bekommt. Er hat also in Irmgards Auftrag angerufen." Ihr Vater habe nicht verstehen können, warum Marit das Bett weggegeben hatte. Nach der Funkstille habe sie sich aber wieder bei ihrem Vater gemeldet. Über ihren Streit hätten sie nie geredet. Von diesem Zeitpunkt an hätten sie wieder regelmäßig Kontakt gehabt. Auch als sie nach zwei gescheiterten Ehen die Abgeschiedenheit suchte und nach Helgoland zog, wo sie heute in einem Duty-free-Geschäft arbeitet.

Ihr Vater habe sie angerufen, wenn Irmgard weg war. "Er hat gesagt, dass Irmgard immer meckert und dass sie alles bestimmt - das Fernsehprogramm, die Finanzen." Er selbst sei zu schwach gewesen, sich aufzulehnen, sagt die Tochter. Und sie habe die Konfrontation nicht gesucht, weil sie nicht riskieren wollte, dass es Streit zwischen den Eheleuten gibt - und dass die Ehefrau ihrem Mann den Kontakt mit der Tochter untersagt. Ihr Vater habe sich mehr und mehr in sich selbst zurückgezogen.

Mit ihrem jüngeren Sohn verstehe sie sich gut. Zu ihrem älteren Sohn habe sie einen schlechteren Draht, aber zerstritten seien sie nicht.

Irmgard sagt über Marits Leben: "Es geht ein bisschen drunter und drüber. Unsere Familie ist ein bisschen einfacher." Wenn sie über Marit spricht, wird ihr Ton ihrer Stimme kalt. Vor allem wenn sie sich dafür rechtfertigt, dass sie ihren Mann ins Pflegeheim gegeben hat.

Marit sagt: "Das Haus ist so groß. Sie haben alles zu ebener Erde. Man hätte eine Pflegekraft einstellen können. Aber darauf hatte sie keinen Bock. Deshalb hat sie ihn ins Pflegeheim geschickt."

Irmgard sagt: "Er war sehr krank. Ich habe ihn seit dem Frühjahr 2010 jeden Morgen geduscht, ihn angezogen, abends wieder ausgezogen. Nachts ist er manchmal durch das Haus geirrt. Das habe ich niemandem erzählt. Das war eine Sache zwischen meinem Mann und mir. Die Ärzte sagten zu mir: ,Das können Sie nicht mehr in Ihrem Alter.'"

Die Stiefmutter habe ihren Vater ins Heim gegeben, weil sie selbst Urlaub machen wollte. Erst nach einem Monat habe sie angerufen und ihr gesagt, wo sich der Vater befindet. "Ich war total erschüttert", sagt Marit.

"Ich weiß nicht, wann ich ihr das erzählt habe", sagt Irmgard. Für sie sei das nicht so wichtig gewesen. "Die hat sich 20 Jahre nicht um ihren Vater gekümmert. Muss ich die dann fragen, ob ich ihn ins Heim geben darf? Nee, dafür bin ich ja wohl erwachsen genug." Im Urlaub sei sie nicht gewesen, dafür jeden Tag bei ihrem Mann im Heim.

Traurig sei ihr Vater im Heim gewesen, sagt Marit. "Was mache ich hier bloß?" Und "Was machen die mit mir?", habe er sie bei ihren Besuchen gefragt und häufig geweint. Das Heimpersonal sei sehr nett gewesen. "Die wussten gar nicht, dass er eine Tochter hat", sagt Marit. Einmal habe das Heim auch angerufen und sie über den Gesundheitszustand des Vaters unterrichtet. Danach gab es Ärger. Es sei ihr gesagt worden, dass sie über den Gesundheitszustand ihres Vaters keine Auskünfte bekommen könne. Weil Irmgard die Generalvollmacht über ihren Vater hatte und nicht wünschte, dass man die Tochter informiere.

Am 13. März haben sie zusammen im Heim den 86. Geburtstag ihres Vaters gefeiert. Es gab Kaffee und Kuchen, ihr Vater habe sich gefreut. "Er war traurig, als er in sein Zimmer musste. Irmgard hat die Tafel aufgelöst."

Im Heim sei es mit ihrem Mann rasant bergab gegangen, sagt Irmgard. Früher wog er 84 Kilo, im Heim waren es nur noch 52. "Er wollte nach Hause, zu mir." Er habe zwar keine Schmerzen gehabt, aber gelitten. Manchmal habe er gesagt: "Ich mag nicht mehr."

Dass das Heim Marit keine Auskünfte erteilen durfte, verteidigt Irmgard heute noch. "Da kann doch jeder anrufen und sagen, sie sei die Tochter. Ihre ganze Familie ist zerstritten - das ist eine ganz gefährliche Sache. Sie hätte mich doch anrufen können, um sich nach ihrem Vater zu erkundigen."

Die Geburtstagsfeier sei schön gewesen. Und um 19 Uhr habe ihr Mann selbst ins Bett gewollt, er sei bereits in seinem Stuhl eingeschlafen.

Am Donnerstag, dem 7. Juli, um halb sechs Uhr morgens ist der Mann, der Marits Vater und Irmgards Ehemann war, gestorben.

"Das Erste, was ich gemacht habe: Ich habe Marit angerufen", sagt Irmgard. "Das musste sie auch, bevor mich das Heim wieder anruft", sagt Marit.

Sie habe bei den Vorbereitungen zur Trauerfeier helfen wollen, sagt Marit. Aber sie fühlte sich auch hier von Irmgard ausgegrenzt. Und dann kam ihr die Idee mit der Anzeige. Eine Traueranzeige für ihren Vater. Und gegen Irmgard. Die Botschaft würde sie erreichen:

"Ich habe davon Abstand

genommen, die Wahrheit immer

auszusprechen und mich einfach

mit vielen Dingen abgefunden."

"Er hatte keine Freude mehr am Leben, weil er so unterdrückt war", sagt Marit. Das sei die Wahrheit. Sie habe sich zu Lebzeiten ihres Vaters damit abgefunden, dass Irmgard sein Leben bestimmt. Aber jetzt sollten es alle wissen. Zumindest diejenigen, die die Familie kennen. Man kann ihre Anzeige völlig anders verstehen. Nämlich so, dass zwischen Marit und ihrem Vater etwas vorgefallen war. Missbrauch, Verrat, Lügen. Marit ist sich dessen bewusst, aber es ist ihr egal. "Papa hätte gewusst, wen ich mit der Anzeige meine", sagt sie.

Irmgard sagt, dass die meisten Anrufer nach Erscheinen der Anzeige von einem Racheakt der Tochter an ihrem Vater ausgegangen seien: "Aber wenn sie mich meint, dann soll sie's. Das ändert nichts an den 25 glücklichen Jahren mit meinem Mann." Der Text aus der Anzeige stammt nicht von Marit selbst. Sie hat ihn aus einem Meditationsbuch für Frauen. Sie sagt, der Text passe zu Irmgard: "Was sie mir angetan hat all die Jahre über, das kann sie gar nicht mehr gutmachen."

Irmgard sagt: "Wenn ich etwas mit jemandem zu regeln habe, dann mache ich das Auge in Auge. Wenn ich nicht dazu fähig bin, halte ich den Mund."

Die Trauerfeier für den Verstorbenen fand am Freitag, dem 5. August in einer Halle am Öjendorfer Friedhof statt. Marit ging trotz allem hin. Sie erschien mit ihrem zweiten Ex-Mann und ihrem jüngeren Sohn. Irmgard kam mit ihren Töchtern und deren Familien.

"Wir trafen zur gleichen Zeit ein. Sie hat uns gar nicht beachtet", sagt Marit. "Die Trauerfeier ging an mir vorbei. Ich war fix und fertig", sagt Irmgard.

Sie hatten eine Trauerrednerin engagiert. Als diese über das Leben des Vaters sprach, habe sie den Namen "Marit" nicht erwähnt, sagt die Tochter. Auf der Schleife des Kranzes, den sie für ihren Vater bestellt hatte, stand: "Unsere Seelen werden sich finden."

Nach der Trauerfeier stellte sich Irmgard mit ihrer Familie an den Ausgang, um die Beileidsbekundungen der Gäste entgegenzunehmen. "Sie hat nicht gefragt, ob ich mich auch dorthin stellen möchte", sagt Marit.

Irmgard sagt, Marit hätte sich doch mit an den Ausgang stellen können.

Und so ging Marit mit ihrem Ex-Mann und ihrem Sohn an Irmgard und ihrer Familie vorbei. "Wir haben nicht kondoliert", sagt Marit. Und auch später, als es im Café Hornung noch Sherry, Suppe und Kanapees für die etwa 30 Trauergäste gab, habe sie sich zeitig verabschiedet. "Die Leute haben mich angeguckt wie einen Alien. Das war peinlich", sagt Marit. Natürlich hatten alle ihre Anzeige gelesen.

"Es ist doch ihr Bestreben gewesen, dass es jemand liest", sagt Irmgard.

Beide Frauen sagen, dass sie nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Zumindest persönlich.

Marit hat nach der Trauerfeier dann eine Woche gewartet und sich dann einen Anwalt genommen, der Irmgard einen Brief geschickt hat. Darin wird Irmgard aufgefordert, Stellung zum Erbe zu nehmen. "Das mache ich auch für Papa. Er hat schon vor Jahren gesagt, dass ich etwas bekommen werde", sagt Marit.

Irmgard hat den Brief erhalten. "Ich weiß gar nicht, warum sie sich dafür einen Anwalt genommen hat. Ein Testament gibt es nicht. Es gilt die normale gesetzliche Erbfolge." Die Ehefrau bekommt die Hälfte des Vermögens des Mannes, der Rest wird unter den Kindern und Kindeskindern verteilt. Irmgard sagt, dass die Möbel im Haus alle ihr gehören, auch das Auto laufe auf ihren Namen. Ihr Mann habe wenig Geld gehabt, als sie ihn kennenlernte. Das Erbe sei viel kleiner, als Marit denke. Irmgard hat sich jetzt ebenfalls einen Anwalt genommen, der eine Inventarliste erstellt. "Wahrscheinlich traut sie mir nicht von hier bis zur nächsten Wand. Dabei müsste sie wissen, dass mit mir zu reden ist."

Marit sagt: "Ich weiß, warum ich mir einen Anwalt genommen habe." Hinzu komme, dass Irmgard ihr nicht gesagt habe, wann denn die Beisetzung ihres Vaters stattfindet. "Das hat sie extra gemacht", sagt Marit.

Die Beisetzung der Urne hat mittlerweile stattgefunden, auf dem Öjendorfer Friedhof. "Das habe ich bewusst so gemacht, damit nicht am Grab irgendein Theater ist", sagt Irmgard. "Da war nur ich."

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