Verkehr in Hamburg

GAL-Plan: "Vorfahrt für die Freizeit" an der Alster

GAL will Rundweg um die Alster schaffen. Es soll eine eigene Spur nur für Radfahrer und Skater entstehen und Sperrungen für Autos.

Hamburg. Kaum blitzen die ersten Sonnenstrahlen am Himmel, ist halb Hamburg rund um die Alster unterwegs. Vor allem an den Wochenenden wird es eng, und Fußgänger, Jogger, Radfahrer und Skater kommen sich häufig ins Gehege. Mit einer Fahrbahnsperrung an den Wochenenden will die GAL-Bürgerschaftsfraktion an der Alster mehr Platz für Freizeitsportler schaffen.

Unter dem Motto: "Vorfahrt für die Freizeit" beantragt die Fraktion, in den Sommermonaten von Juni bis September eine oder zwei Spuren der Straße An der Alster von freitags 20 Uhr bis montags 0 Uhr für Radfahrer, Fußgänger und Skater freizugeben und für den Autoverkehr zu sperren.

Ein Vorschlag, der auch beim Automobilklub ADAC gut ankommt. "Wenn man das mit viel Sinn und Verstand macht und mit anderen Veranstaltungen in der Stadt gut koordiniert, kann das sinnvoll sein", sagte Matthias Schmitting vom ADAC Hansa dem Abendblatt. Ein Versuch sei völlig in Ordnung. Die autofreien Sonntage hätten gezeigt, dass viele Menschen solche gesperrten Flächen gerne für Freizeitaktivitäten nutzen, so Schmitting. Für den Autoverkehr sieht der Verkehrsexperte keine großen Probleme. "Es ist nicht problematisch, wenn an den Wochenenden für den Autoverkehr eine Spur wegfällt", sagte Schmitting.

Die Grünen wollen eine ohnehin in Hamburg bereits praktizierte Regelung nutzen. Die Straße An der Alster wird im normalen Berufsverkehr zwischen Sechslingspforte und Ferdinandstor flexibel der einen oder der anderen Fahrtrichtung zugeordnet. Dafür werden Absperrhütchen an den Einmündungen aufgestellt. "Wir meinen, diese Praxis könnte man nutzen für mehr Platz für Freizeitaktivitäten", sagte der verkehrspolitische Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion Till Steffen am Sonntag an der Alster. "Temporeiche Sportarten wie Radfahren und Skaten könnten auf der Fahrbahn stattfinden, umso mehr Platz wäre direkt an der Alster zum Spazierengehen", so Steffen.

Die Alster sei das zentrale Stück Natur in der Innenstadt. Die Bedürfnisse von Sportlern und Spaziergängern und nicht die freie Fahrt für Autos sollten dort nach Auffassung der GAL im Vordergrund stehen.

Langfristig will die GAL eine komplette Alsterrunde einrichten. Dies sei an den meisten Stellen nur wenig problematisch. "Die Schöne Aussicht spielt verkehrlich nur eine untergeordnete Rolle, der Radverkehr läuft ohnehin schon auf der Fahrbahn", sagte Steffen. Es seien nur wenige Änderungen notwendig. Das Gleiche gelte für die Straße Bellevue. "Vor dem US-Konsulat auf der Gegenseite ist die Straße ohnehin seit Jahren gesperrt. Wir finden es nicht zwingend, dass die Straßen am Alsterufer wieder für den Autoverkehr geöffnet werden müsste. Man könnte diese Strecken auch dafür nutzen, Radfahrern und Skatern Platz zu schaffen, damit auch die Fußgänger wieder ausreichend Platz haben", so Steffen. Für die Kennedybrücke müsse man sich noch etwas einfallen lassen. Grundsätzlich hält es die GAL aber auch hier für denkbar, am Wochenende eine Spur abzugrenzen. Die Hamburger Grünen führen als Beispiel für flexible Lösungen Paris an, wo in den Sommermonaten eine Schnellstraße mitten in der Stadt zu einem Strand umfunktioniert werde. "Daran sieht man, dass ein Teil des Verkehrsraums, der einmal dem Autoverkehr zugeordnet wurde, nicht dauerhaft immer nur beim Autoverkehr bleiben muss", so Steffen.

Auf 90 Prozent der Strecke sieht die GAL die Möglichkeit, eine solche Regelung "bequem" durchsetzen zu können. Im Bereich Krugkoppelbrücke gebe es aber wahrscheinlich ein Stück, an dem man keine breite Lösung werde anbieten können.

Die Behörde für Wirtschaft und Verkehr steht dem Vorschlag grundsätzlich offen gegenüber, zumal die Förderung des Radverkehrs im Senatsprogramm steht. Der Antrag müsse aber zunächst gründlich geprüft werden. Vor allem die Fragen der Verkehrssicherheit seien dabei zu beachten, sagte Behördensprecherin Susanne Meinecke.

Bei Hamburgs Radlern dürfte der Vorschlag auf Interesse stoßen. Wie radbegeistert die Hamburger sind, haben jüngst die Jedermann-Rennen der Cyclassics eindrucksvoll gezeigt: Rund 20 000 Freizeitsportler nahmen an dem Großereignis teil.

Gemeinsam mit den Bezirken, so der Antrag der GAL, soll nun geprüft werden, welche Straßen rund um die Außenalster für eine Wochenendsperrung weiter infrage kommen. Am 14. September soll der Antrag in der Bürgerschaft beraten werden.