"Warum ich einem Fremden Stammzellen spende"

Hamburg/Geesthacht. Arndt Büthe, Systemadministrator beim Abendblatt, spendet Stammzellen für einen kranken genetischen Zwilling. Warum - und welche Beziehung er zu einem Unbekannten aufgebaut hat, erzählt er hier:

Léon kam mir einfach nicht mehr aus dem Sinn. Sein Hilferuf stand auf Plakaten überall in der Nähe meines Zuhauses in Geesthacht. Als ich mich 2008 in Lauenburg zur Typisierung anstellte, befand ich mich in bester Gesellschaft. Mehrere Hundert Menschen hatten dieselbe Idee: Léon retten! Das geschah dann auch, durch eine Stammzellentransplantation - von einem amerikanischen Spender.

Drei Jahre ist das her. Vor ein paar Wochen lag dann ein Umschlag in unserem Postkasten, und sofort war klar: Dieser Brief würde meine nähere Zukunft umgestalten. Ich wurde als passender "genetischer Zwilling" zur Voruntersuchung nach Hameln geladen. Die Stammzellen sollen mir mittels einer Art Dialyse entnommen werden, keine OP in Vollnarkose wie ich zunächst gedacht hatte.

Eigentlich sollte ich jetzt schon mit der Stammzellenentnahme durch sein. Leider hatte sich zwischenzeitlich der Gesundheitszustand "meines" Empfängers verschlechtert, und er oder sie, ich weiß nicht, für wen ich spenden soll, muss sich zunächst noch einer weiteren Chemotherapie unterziehen. In fünf bis sechs Wochen sollte die Chance für eine Transplantation erneut bestehen. Ich bin bereit.

In dieser kurzen Zeit habe ich zu einem anonymen Kranken ein sehr inniges Verhältnis aufgebaut; seit Wochen kreisen meine Gedanken um seine Geschichte und meine mögliche Rolle darin. Der Gedanke, dass die lebensnotwendige Spende sich erneut verzögern könnte oder gar zu spät käme, wird unerträglich. Ich motiviere mich jeden Tag erneut, nicht an so etwas zu denken. Das tolle Gefühl, jemanden durch eine Spende zu retten, beflügelt die Gedanken, und beschwingter als sonst gehe ich durchs Leben. Meine Bitte: Spenden auch Sie.