Nachspiel

Lahms Rückpass ins eigene Tor

Ein Kommentar von Christian-A. Thiel

Auf die Liste der Kandidaten für den deutschen Buchpreis wird es Philipp Lahm eher nicht schaffen. Doch, und da geht es ihm wie Charlotte Roche mit ihren "Schoßgebeten": Wirbel im Vorfeld treibt die Auflagezahlen in lukrative Höhen. Und diesen Wirbel hat er nach dem Vorabdruck in der "Bild"-Zeitung reichlich bekommen.

Aber was hat der Kapitän der Nationalelf eigentlich geschrieben? Dass es mit Jürgen Klinsmann und den Bayern nicht klappte, ist ebenso wenig überraschend wie die Feststellung, dass Felix Magaths Methoden nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Auch dass sich im Nationalteam nicht alle schrecklich lieb haben, lag nahe. Klar, Lahm hätte mit dem Ausplaudern von Kabinengeheimnissen warten können, bis er und seine Kollegen ihre Karriere beendet haben. Doch selbst diese "Enthüllungen" haben den Fußball nicht auf den Kopf gestellt.

Allerdings hätte der Leichtfuß nach 81 Länderspielen wissen müssen, wie das System Profifußball funktioniert. Auf dem Platz würden solche Fehleinschätzungen sofort bestraft. Denn prompt fiel Fußball-Deutschland über den Petzer her, von schlechtem Stil, fehlendem Anstand und Nestbeschmutzung war die Rede. Beim Fußball-Bund zogen sie die Augenbrauen hoch, beließen es aber vorerst bei der Gelben Karte. Und Lahm? Rudert artig zurück und bittet alle Betroffenen um Entschuldigung. Ein Rückpass, der im eigenen Tor landet.

Nur ein Ziel hat er erreicht: Den netten Philipp, Mamas Liebling, gibt es nicht mehr. Das ist, so der Buchtitel, der "kleine Unterschied".