Kommentar

Eine teure Hängepartie

Lernen im Container: Hamburg muss Schulen besser planen

Die gescheiterte Primarschulreform hat die politische Landschaft in Hamburg in vielerlei Hinsicht verändert. Der Machtverlust der CDU im Rathaus ist da nur der augenfälligste Aspekt. Eine dramatische Spätfolge des von den Bürgern ausgebremsten Schulexperiments ist die Hängepartie beim Schulneubau.

Gut zwei Jahre Stillstand auf diesem Sektor haben dazu geführt, dass immer mehr Schüler in Containern unterrichtet werden müssen. Die Zahl der "mobilen Klassenzimmer" wird sich mit Beginn des neuen Schuljahres auf rund 300 mit mehr als 7000 Schülern fast verdoppeln. Und die Lage wird sich noch verschlimmern, weil neue Schultrakte nicht von heute auf morgen entstehen können.

Die Gründe liegen auf der Hand: Bis zum Volksentscheid gegen die Primarschule liefen die Planungen der Schulbehörde auf eine gigantische Verschiebung von Klassenräumen von Gymnasien und Stadtteilschulen hin zu den Grundschulen hinaus, die mit den Klassen fünf und sechs zwei Jahrgänge mehr unterrichten sollten.

Jetzt steigt der Raumbedarf der Grundschulen zwar immer noch - wegen der Verkleinerung der Klassengrößen -, aber nicht mehr so stark. Und die großen Stadtteilschulen haben zum Teil dramatische Kapazitätsprobleme, weil sie aus mehreren Standorten entstanden sind.

Der Bruch der schwarz-grünen Koalition Ende 2011 und der Regierungswechsel im Frühjahr haben aufgrund der ungewissen politischen Lage dazu geführt, dass kaum Aufträge für Schulneubauten vergeben wurden. Wenn es noch eines Grundes bedarf, endlich Ruhe an den reformmüden Schulen einkehren zu lassen, dann dieser: Der Engpass beim Schulbau ist nicht die Folge wachsender Schülerzahlen (und insofern unvermeidbar), sondern das Ergebnis mehrfacher Richtungswechsel in der Schulpolitik.

Unterricht in Containern ist für den Übergang vertretbar. Aber die Stahlkisten sind teuer und den Steuerzahlern nicht länger als unbedingt erforderlich zuzumuten. Schulsenator Ties Rabe muss zügig eine verlässliche Schulentwicklungsplanung vorlegen, auf deren Basis dann die erforderlichen Bauten errichtet werden.