Bewerbung: Fünf Fragen an Professor Roland Baar

Hamburg bleibt ein Olympia-Kandidat

Ruder-Weltmeister Prof. Roland Baar, 46, war von 1999 bis 2004 Mitglied des IOC und ist seit 2005 Mitglied verschiedener IOC-Kommissionen

Hamburger Abendblatt: 1. Mit München 2018 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) zum vierten Mal in Folge eine deutsche Oympiabewerbung mit erneut deutlicher Mehrheit abgewiesen. Ergeben deutsche Olympiabewerbungen künftig noch Sinn?

Prof. Roland Baar: Sie lohnen sich. Olympische Spiele werden weltweit ausgerichtet, warum also nicht auch in Deutschland? Die Gründe, warum es in den vergangenen 25 Jahren viermal nicht geklappt hat, waren von Bewerbung zu Bewerbung unterschiedlich. Diesmal waren nach zwei gescheiterten Kandidaturen die Koreaner einfach dran. Es war eine Entscheidung für Pyeongchang, keine gegen München.

2. Das IOC wie auch der Fußball-Weltverband Fifa wollen neue Absatzmärkte bespielen. München lockte mit Tradition. Das hat offenbar kaum jemanden im IOC interessiert.

Baar: Für mich wurde dieses Argument bei der Münchner Bewerbung überstrapaziert. Mit Tradition und einem Zurück-zu-den-Wurzeln kann man keine Begeisterung wecken. Sie brauchen etwas Neues, Frisches, ein paar innovative, zündende Ideen. Andererseits: Das mit den neuen Märkten wird sich irgendwann erledigen. Nach Sotschi (Winter 2014), Rio de Janeiro (Sommer 2016) und Pyeongchang (2018) wird Olympia nach Europa zurückkehren. Europa bleibt sportlich wie wirtschaftlich ein wichtiger Kontinent, den das IOC nicht ignorieren kann und wird.

3. Sollte sich Deutschland künftig eher für Winter- oder doch wieder für Sommerspiele bewerben?

Baar: Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, die beides können. Dennoch würde ich zu Sommerspielen tendieren. Sie haben größere Bedeutung.

4. Was sind für Sie die wichtigsten Lehren aus der gescheiterten Münchner Bewerbung?

Baar: Für das IOC ist die Zustimmung der Bevölkerung sehr wichtig. Mit 50 bis 60 Prozent Zustimmung können Sie das IOC nicht überzeugen. Sie brauchen 80 bis 90 Prozent. Es muss ein Konsens in der Region gefunden werden, sonst macht eine Bewerbung keinen Sinn. Oder Sie müssen das Konzept ändern.

5. Sie hatten sich einst für die Hamburger Kampagne für 2012 starkgemacht. Bleibt Hamburg für Sie ein Kandidat für Sommerspiele?

Baar: Ja! Das damalige kompakte Hamburger Konzept war siegfähig. Es war innovativ, und es hätte die Spiele und das Stadtleben auf einmalige Weise integriert. So etwas gefällt dem IOC.