130 Millionen Euro für Hamburger Brennpunkt

Saga will Mümmelmannsberg komplett renovieren. "Ein besonderer Tag für den Stadtteil"

Hamburg. Es gilt als eines der Hamburger Problemviertel, viele Plätze und Hochhäuser zeigen seit Jahren deutliche Zeichen des Verfalls. Doch jetzt soll für die fast 19 000 Bewohner von Mümmelmannsberg vieles besser werden. Am Freitag kündigte das Hamburger Wohnungsunternehmen Saga/GWG an, bis 2020 rund 130 Millionen Euro in das Quartier zu investieren.

Das Geld soll in die Sanierung der 4700 Wohnungen, der Außenanlagen und des zentralen Einkaufszentrums fließen, sagte Saga-Chef Lutz Basse. "Wir wollen mithelfen, dass Mümmelmannsberg von seinen Bewohnern auch künftig vielfältig, familienfreundlich und umweltbewusst erlebt wird." Die Arbeiten sollen 2012 mit den drei Wohntürmen am Einkaufszentrum beginnen. In drei Jahren sollen die Wohngebäude fertig werden.

Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) sagte, dass sich die Menschen in Mümmelmannsberg auf ein "komfortableres und moderneres Zuhause" freuen könnten. "Saubere Grünanlagen, ordentliche Gebäudedämmung, neue Bäder, Fenster und Fassaden kommen dem Mieter direkt zugute", sagte Blankau. Es sei ein besonderer Tag für den Stadtteil.

Die Großsiedlung Mümmelmannsberg, die zu Billstedt gehört, war in den 70er-Jahren errichtet worden. Der Ausländeranteil beträgt knapp 23 Prozent, der Anteil an Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern ist überdurchschnittlich hoch. 2009 machten Berichte Schlagzeilen, dass eine "multi-ethnische Bande" die Menschen in der Siedlung terrorisiere. Die Polizei richtete daraufhin eine Sonderkommission ein - sie hatte Erfolg und wurde inzwischen wieder aufgelöst.

Trotz der Probleme wohnen viele Menschen gern in Mümmelmannsberg, am Endpunkt der U 3. Saga-Chef Basse sagte, zwei von fünf Mietern lebten seit mindestens 15 Jahren dort, die Fluktuation habe im Jahr 2010 bei weniger als fünf Prozent gelegen. Ende 2010 hatte die Saga den maroden Komplex um das Einkaufszentrum einer Versicherung abgekauft. Derzeit wird mit Interessenten über die künftige Belegung des Einkaufszentrums verhandelt. Doch nicht nur das urbane Leben soll gefördert werden. Die grauen Wohnblöcke erhalten einen neuen Anstrich, um auch das Außenbild der Siedlung zu verbessern.

Die Zahl der Wohnungen soll in Mümmelmannsberg nicht gesteigert werden - trotz der Senatspläne, pro Jahr in Hamburg 6000 neue Wohnungen zu bauen. Auch werde es wegen der Investitionen nur "reduzierte Mieterhöhungen" geben, sagte Senatorin Blankau. Konkreter wurde Saga-Chef Basse: "Die Miete steigt je Quadratmeter um 70 bis 80 Cent, dafür werden 15 bis 20 Cent bei den Heizkosten gespart. Die Netto-Erhöhung liegt also bei 50 Cent." Viele Anwohner seien bereit, sich damit an der Sanierung zu beteiligen. Derzeit liegen die Quadratmeter-Mieten in Mümmelmannsberg zwischen 3,70 Euro und 5,70 Euro.

Laut Saga müssen nur wenige Mieter während der Bauarbeiten umziehen. Zudem sollen Mieter in die Umgestaltung einbezogen werden. In einem ersten Schritt konnten sich am Freitag Anwohner bei einem Infotag informieren. Von den Investitionen sollen auch die älteren Anwohner profitieren. Basse kündigte an, die nahe Seniorenwohnanlage, die Saga und Paritätischer Wohlfahrtsverband gemeinsam betreiben, werde stark ausgebaut und gefördert.