Hamburg

Chinesisches Teehaus in Schieflage

Foto: Pressebild.de/ Bertold Fabricius

Yu Garden soll renoviert werden, von Neueröffnung ist keine Rede. Tourismuszentrum sollte Bindung von Hamburg und Shanghai stärken.

Harvestehude. Hinter dem Museum für Völkerkunde beginnt China. Traditionelle Gebäude mit geschwungenen Pagodendächern und Holzschnitzereien, eine verwinkelte Brücke, die über hellgrünes Wasser führt, bewacht von steinernen Drachen. 2008 wurde das Shanghai Yu Garden, ein kleiner Nachbau des berühmtesten chinesischen Teehauses Hu Xin Ting ("Garten am Wasser"), als Hamburg-Shanghai Europa Tourismuszentrum eröffnet. Seit gestern ist das Yu Garden auf unbestimmte Zeit geschlossen, der Betreiber, die Shanghai Yu Garden Corporation bezeichnet den Betrieb nach Abendblatt-Informationen als nicht rentabel. Dabei war das Teehaus erst 2008 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust, der damaligen Kultursenatorin Karin von Welck und Vertretern chinesischer Institutionen mit großen Hoffnungen eröffnet worden: Dort sollte der kulturelle Austausch zwischen den Partnerstädten Hamburg und Shanghai gestärkt werden.

Doch jetzt ist das Yu Garden zu. "Wir müssen renovieren und das Konzept verändern", sagt Han Shalin, Assistentin der Geschäftsleitung. Die Küche soll umgebaut, der Speise- und Serviceplan verändert und andere Fenster eingebaut werden. In den Räumen zieht es. Das mag darin begründet sein, dass das Teehaus aus Baumaterialien besteht, die entweder aus dem wärmeren Shanghai stammen oder - wie die Fenster - nach chinesischen Vorgaben in Deutschland angefertigt wurden. Es ist oft kalt in den Räumen, in denen Ausstellungen, Konzerte und Podiumsdiskussionen zum Thema China stattfinden. Doch glaubt man Insidern, sind die Renovierung und der ebenfalls geplante Austausch des Servicepersonals vor allem deshalb nötig, weil das Teehaus unter Erfolglosigkeit leidet. Die Gastronomie, eine wesentliche Einnahmequelle, läuft offenbar nicht gut. Besucher waren oft unzufrieden mit Service, Speisen und Sauberkeit in den Räumlichkeiten.

Freunde und Nutzer des Teehauses sorgen sich nun um dessen Zukunft. Agnes-E. Schöttler, Präsidentin der Hamburger China-Gesellschaft (HCG), sagt: "Wir sind entsetzt über die Schließung, von der wir sehr kurzfristig erfahren haben." Ihr Verband organisiert seit drei Jahren regelmäßig gut besuchte Veranstaltungen im Yu Garden - wobei großer Wert darauf gelegt wird, umfassend über die chinesische Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur zu informieren.

Auch das Konfuzius-Institut nutzte das Teehaus zunächst häufig, verlagerte seine Veranstaltungen in letzter Zeit aber vermehrt an die Uni Hamburg.

Dabei sollte das Teehaus "eine wichtige Kultureinrichtung mit internationalem Charakter" für Hamburg und seine Bürger sein, hieß es in einer Senatsdrucksache, die der Bürgerschaft im Januar 2007 vorgelegt wurde. Es sollte der chinesischen Gemeinde als Versammlungsort dienen und eine Vertretung der Shanghaier Tourismuskommission beherbergen. Ein entsprechendes Memorandum hatten die Bürgermeister der Partnerstädte Hamburg und Shanghai 2004 unterzeichnet. Die Stadt Hamburg stellte den Chinesen das 3400 Quadratmeter große Filetgrundstück an der Feldbrunnenstraße für 30 Jahre kostenfrei zur Verfügung. Shanghai finanzierte den Bau, der sechs Millionen Euro gekostet haben soll. Das Material dafür kam mit mehr als 40 Schiffscontainern aus China: 115 Tonnen Taihu-Kalkstein, 140 000 halbrunde Dachziegel und 40 000 Dachsteine, die vor Ort von Chinesen verarbeitet wurden. Von der Schließung wurde auch die Kulturbehörde, die im Teehaus ebenfalls Veranstaltungen organisiert hatte, erst kurzfristig informiert. Sprecher Stefan Nowicki: "Es wäre schön, wenn unsere chinesischen Partner ein neues, attraktiveres Konzept für diesen wichtigen Ort entwickeln." Doch danach sieht es nicht aus. (abendblatt.de)