Zwischenruf

So kam das mit der Umwelt-City

Eine Überlegung von Axel Tiedemann

Gerade hatte ich mir auf den Fahrradwegen dieser Stadt wieder einen Platten gefahren - da schoss mir ein Gedanke in den Kopf wie die Luft aus dem Reifen. Natürlich! Die Umwelthauptstadt und die verbeulten Radpisten - vielleicht hängt alles zusammen. Denn schon der schwarz-grüne Senat wusste wohl, dass Radfahren in Hamburg ein Abenteuer ist und hier Kreuzfahrtschiffe bejubelt werden, die mit ihrem Drecktreibstoff Sondermüllverbrennungsanlagen sind. Und dann entdeckte der damalige Finanzsenator Freytag zu Beginn der Finanzkrise 2008 ein riesiges Loch. Nicht im Reifen, sondern bei der Landesbank. "Millionen haben die in indonesischen Radschlauchfabriken investiert, wie kann man nur", könnte er geschimpft haben. Und hatte eine zündende Idee: Hamburg wird Umwelthauptstadt! Die Besucher kommen, wollen hier Rad fahren, machen sich die Schläuche kaputt - und der Umsatz bei unseren indonesischen Schlauchfabriken kommt samt Bankbilanz wieder in Ordnung.

So weit, so gut - bis Olaf Scholz und seine Genossen im Rathaus einzogen. Sie überlegten, den Titel zurückzugeben. Von wegen "ordentlich regieren", die Stadt sei ja noch nicht so weit. Doch dann ein feines Räuspern vom neuen Finanzsenator. Dem neuen Bürgermeister wurde die Sache mit den indonesischen Schlauchfabriken erklärt und wie alles zusammenhängt. Und Scholz sagte: "Wir müssen Kontinuität bewahren: Der Titel bleibt." Und so zuckelt nun der Hamburger Umweltzug durch die Länder, die Menschen kommen, fahren hier Rad ... der Rest ist bekannt. So könnte es gewesen sein. Muss es aber nicht.