Hamburger Kreativwirtschaft

SinnerSchrader gründet Werbeagentur Haasenstein

Foto: SinnerSchrader

SinnerSchrader aus Altona weitet seine Geschäftsfelder aus. Die Hamburger setzen bei der Markenkommunikation auf ihre Internet-Expertise.

Hamburg. Die Werbehochburg Hamburg wird um einen Konkurrenten reicher: Der Internetdienstleister SinnerSchrader aus Altona weitet seine Geschäftsfelder aus und gründet eine Werbeagentur. "Das Verhalten der Konsumenten hat sich verändert - das Internet wird immer wichtiger", sagte SinnerSchrader-Chef Matthias Schrader dem Abendblatt.

Trotz des starken Wettbewerbs sieht er gute Wachstumschancen für die neue Agenturtochter Haasenstein, die mit acht Mitarbeitern an den Start geht. "Wir verfügen über ein über viele Jahre aufgebautes Fachwissen im Internet, während klassische Werbeagenturen oft noch in ihren gelernten Bahnen denken", sagt Schrader, der sein Unternehmen 1999 an die Börse gebracht hat. Heute ist SinnerSchrader einer der führenden deutschen Internetdienstleister mit Jahresnettoumsätzen von 24 Millionen Euro und entwickelt Webshops für Kunden wie Tchibo, Otto und Bosch.

Die neue Werbeagentur ist nach dem Altonaer Branchenpionier Ferdinand Haasenstein benannt, der um 1850 eine Frühform von Werbe- und Mediaagenturen etablierte. "Heute stehen wir wieder an der Schwelle zu neuen Kommunikationswegen", sagt Schrader. Seine Vision ist, dank des Paradigmenwechsels zwischen Online und Offline ein neuartiges Agenturkonzept zu kreieren. So bietet Haasenstein Markenführung und interaktive Kommunikation nach dem Grundsatz, dass alle Überlegungen im Digitalen starten und dann erst weitere Kanäle folgen.

Der erste Kunde ist das Flugreiseportal Tuifly.com. "Für unseren Wandel zu einer reinen Internetmarke wollten wir eine Agentur, die Onlinespezialist ist", begründet Alejandro Gonzalez Espinosa, Vize-Marketingchef von Tuifly.com, den Wechsel von der Werbeagentur Jung von Matt zu der Hamburger Neugründung. Geführt wird Haasenstein von einer Doppelspitze: Timm Hanebeck war 13 Jahre lang bei Jung von Matt für Marken wie Audi und Sixt zuständig. Matthias Wagener hingegen kommt aus der Internetbranche und betreute bei SinnerSchrader die Webportale von Simyo und Tchibo.

Auch klassische Werbeagenturen rüsten bei ihren Internetkompetenzen auf. "Viele Agenturen haben Tochtergesellschaften für den digitalen Bereich gegründet", sagt Volker Nickel vom Zentralverband der Werbewirtschaft. "Die Kunden fragen das nach." Die Ausgaben für Werbung fließen zwar zu 90 Prozent in traditionelle Medien. Das Internet holt als Werbeträger aber auf: Während die Nettoeinnahmen der Offline-Medien 2010 um 1,9 Prozent auf 18 Milliarden Euro kletterten, stiegen die Interneterlöse laut dem Werbeverband auf 800 Millionen Euro - um neun Prozent. Erst im November hatte der Sportartikelhersteller Adidas angekündigt, einen Großteil seines Marketingetats ins Netz zu verlagern. "Klassische Medien sind lange nicht mehr so wichtig wie früher", hieß es damals. Der Grund: Die Zielgruppe, also 14- bis 19-Jährige, verbringt mehr Zeit in sozialen Netzwerken als mit Fernsehen oder Zeitung.

Der Werbeverband warnt zwar vor einem "Hype" ums Internet, sieht aber die integrierte Kommunikation auf allen Kanälen als die Werbeform der Zukunft. Auch die Metro-Tochter Media Markt will ihre Online-Strategie verstärken und kündigte die Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur Kempertrautmann. "Wir suchen einen Partner, der unsere Marke intensiv in Richtung Multichannel begleitet", sagte Media-Markt-Chef Michael Rook. In der Werbebranche sorgte das für erstaunte Gesichter - hatte Kempertrautmann doch erst im Januar dieses Jahres die Multichannel-Tochter Change gegründet. So wird die Agentur als Bauernopfer für die bei Media Markt intern verpatzte Onlinestrategie gehandelt. Eines steht aber fest: Wer den Werbeetat des Technikhändlers ergattern will, muss sich im Internet gut auskennen.