Kommentar

Die Schattenseite des Erfolgs

Man könnte es ein Luxusproblem nennen: Volkswagen schafft es nicht, so viele Autos zu bauen, wie die Kunden dem Konzern abkaufen würden.

Die Produktionspause wegen fehlender Zulieferteile bleibt zwar womöglich kein Einzelfall in der Branche. Dass VW als erster deutscher Autobauer in diesem Aufschwung zu einem derart drastischen Mittel greifen muss, um angesichts des hohen Tempos nicht ins Schlingern zu geraten, wirft aber auch ein Schlaglicht auf eine spezielle Erfolgsgeschichte.

Hat man nicht gerade noch vor wenigen Jahren den vermeintlich trägen, ertragsschwachen Riesen geschmäht, dem die mächtige Gewerkschaft die Luft abdrückt? Hieß es nicht, als Hersteller im mittleren Preissegment, aber mit den viel zu hohen Produktionskosten seiner europäischen Werke habe VW keine Chance gegen die fernöstlichen Konkurrenten?

Der Firmenpatriarch Ferdinand Piëch hat darauf eine Antwort gefunden. Wie zuvor bei Audi hat er konsequent auf Qualität und Technologieführerschaft gesetzt. Er hat darauf vertraut, dass die Kunden bereit sein werden, dafür etwas mehr zu bezahlen. Nun scheint es, als sei diese Rechnung aufgegangen. Selbst die VW-Luxuskarosse Phaeton, in Europa wegen mangelnden Markenprestiges schwer verkäuflich, ist plötzlich sehr gefragt - bei der schnell wachsenden Zahl wohlhabender Chinesen.

Doch ausgerechnet am unteren Ende der Produktpalette tut sich der Volkswagen-Konzern, seinem Namen zum Trotz, nun schwer. In diesem Segment steht eine überzeugende Antwort auf die Bedürfnisse des Weltmarktes noch aus.