Kommentar

Mindestlohn als Selbstschutz

Beate Kranz

Arbeitgeber zählen in der Regel nicht zu den großen Verfechtern von Mindestlöhnen. Stattdessen setzen sie auf die Selbstregulierungskraft des Marktes. Einen anderen Auftritt bieten derzeit die Unternehmen der Zeitarbeit. Der Präsident des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), Volker Enkerts, fordert offensiv die Einführung von Mindestlöhnen, um ein flächendeckendes Lohndumping in der Branche zu verhindern.

Dieser Schritt ist überfällig. Er dient nicht nur dem Schutz der Arbeitnehmer, sondern auch dem Selbstschutz Tausender Personalunternehmen. Denn die Branche steht vor einer großen Herausforderung. Durch die Öffnung des Arbeitsmarktes können ab Mai Beschäftigte aus Osteuropa ohne Einschränkungen in Deutschland arbeiten - und zwar zu Tarifen ihrer Heimatländer, die deutlich unter den hiesigen Sätzen liegen. Ein ruinöser Preiskampf käme in Gang, der viele Firmen in ihrer Existenz bedrohen würde. Diese Entwicklung gilt es frühzeitig zu stoppen, indem Untergrenzen für Löhne festgelegt werden.

Zeitarbeit ist ein wichtiger Faktor im Arbeitsmarkt. Firmen gewinnen Spielraum, um Produktionsspitzen abzudecken. Vielen Arbeitslosen gelingt über die Leiharbeit der Sprung in ein reguläres Arbeitsverhältnis. Dennoch sind Leiharbeiter schon heute benachteiligt, da sie nur in wenigen Unternehmen den gleichen Lohn erhalten wie die dort fest angestellten Kollegen. Es wird Zeit, dass in der Zeitarbeit das Prinzip der gleichen Bezahlung zum Ziel erklärt wird. Ein Mindestlohn wäre dafür ein wichtiger Schritt, wenngleich nur ein Anfang.

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