Nachspiel

St. Pauli und der Faktor Stimmung

Ein Kommentar von Peter Wenig

Wenn Trainer sich in beißender Ironie versuchen, ist die Lage in aller Regel bitterernst. Michael Frontzeck, Übungsleiter von Borussia Mönchengladbach, jedenfalls bedankte sich nach dem 1:2 gegen den HSV für die "herausragende Unterstützung" der Fans. Lautstark hatten diese seine Entlassung gefordert, voller Häme die Mannschaft verabschiedet. Seinem Kollegen Bruno Labbadia ergeht es bei seiner Stuttgarter Rettungsmission kaum besser. Die Aufholjagd nach dem 1:5 zum 3:5 gegen die Bayern konnte die Fan-Wut nicht dämpfen.

In Köln erwog Präsident Wolfgang Overath auf dem Höhepunkt der kölschen Hass-Welle den Rücktritt. Jetzt soll es mit dem neuen Sportdirektor Volker Finke ein Mann richten, der zu Freiburger Zeiten mit Verachtung auf Klüngelwirtschaft und die Rolle der Boulevardmedien bei Traditionsklubs herabsah. Ein Experiment, dessen Ausgang niemand abschätzen kann.

Mönchengladbach, Stuttgart, Köln - drei ehemalige Meisterklubs, zerrieben zwischen hohen Erwartungen und trister Gegenwart. Noch liegen sie trotz deutlich höherer Etats hinter dem FC St. Pauli, der mit Recht jeden Punkt als Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt feiert. Der Faktor Stimmung kann zum großen Trumpf auf dem Weg zur Nicht-Abstiegs-Feier werden. Der FC St. Pauli sollte ihn durch den von den Ultras angeheizten Fan-Konflikt nicht verspielen.