Zum Ende der Vorrunde: Fünf Fragen an Peter Neururer

Die Bundesliga ist so verrückt wie nie

Peter Neururer, 55, trainierte Schalke, Hannover und Bochum.

Hamburger Abendblatt:

1. Der FC Bayern liegt 17 Punkte hinter Tabellenführer Dortmund. Hannover, Mainz sowie Freiburg rangieren auf Europacup-Rängen, während arrivierte Klubs wie Stuttgart und Wolfsburg gegen den Abstieg kämpfen müssen. Was ist mit der Fußball-Bundesliga bloß los?

Peter Neururer:

Dass so viele Vereine im positiven wie negativen Sinne überraschen, ist tatsächlich kurios. Die Liga ist so verrückt wie nie in den letzten 20 Jahren. Nehmen Sie meinen früheren Verein Hannover: Nach der Niederlage gegen Viertligaklub Elversburg schien die Entlassung von Hannovers Trainer Mirko Slomka beschlossene Sache zu sein. Danach spielte der Klub die beste Hinrunde aller Zeiten.

2. In anderen europäischen Ligen wäre solch ein Durcheinander undenkbar. Warum ist das so in Deutschland?

Neururer:

Ich halte die Bundesliga für die stärkste Liga in Europa. Natürlich, die Spitzenklubs der Premier League und der Primera Division sind unglaublich gut. Aber haben Sie schon einmal ein Spiel von Wigan Athletic gegen Wolverhampton Wanderes live gesehen? Was die Gesamtqualität betrifft, sind die deutschen Klubs anderen Ligen total überlegen. Diese Ausgeglichenheit ist ein Grund, warum leichte Schwankungen möglich sind. Ein Beleg für meine These ist das Abschneiden von Schalke. In der Liga standen sie auf einem Relegationsplatz, als sie den Einzug ins Achtelfinale der Champions League schafften. Oder Stuttgart! Der Tabellen-17. kam in der Europa League locker als Erster weiter.

3. Bleibt die Liga verrückt oder rücken sich die Machtverhältnisse wieder zurecht?

Neururer:

Dass Dortmund Meister wird, steht für mich fest. Faszinierend, wie sie völlig unbeeindruckt zu hundert Prozent ihr Konzept durchziehen. Die Erfolgsserie hat zu einem riesigen Selbstbewusstsein geführt. Die Spieler fühlen sich stärker, als sie tatsächlich sind. Umgekehrt gehen die Gegner mit mehr Respekt gegen den BVB ins Spiel.

4. Warum sind die Bayern mit ihrer "Mia-san-mia"-Mentalität nicht mehr unantastbar?

Neururer:

Außergewöhnlich sind die Münchner nur mit Franck Ribéry und Arjen Robben in Topform. Dazu sind die Probleme in der Defensive offensichtlich. Die Bayern sind zwar immer in der Lage, einen großen Rückstand aufzuholen, aber sie haben derzeit fünf Teams vor sich und müssten auf deren Schwäche hoffen. Das ist zu viel.

5. Und wer muss in die Zweite Bundesliga absteigen?

Neururer:

Keiner der Klubs, der unten steht, ist chancenlos und darf abgeschrieben werden. Ich bin sicher, dass noch zwei Vereine dazustoßen, mit denen man jetzt noch nicht rechnet.