Loki Schmidts letzte Karpfenrunde

Beim traditionellen Treffen nahmen Henning Voscherau, Björn Engholm und andere Abschied

Hamburg. Es war ein trauriger Abschied wie so viele, und doch war es ein ganz besonderer: Loki Schmidts Karpfenrunde, ihre "heimliche, aber nicht geheime" Tafelrunde, nahm gestern Mittag Abschied von der toten Gründungspräsidentin. "Loki Schmidt war eine Freundin der Menschen, immer herzlich, nie von oben herab, und die Politikerfrau hat sich nie von der Politik vereinnahmen lassen", streute Karpfenrunden-Gründungsmitglied Henning Voscherau der toten Freundin im traditionellen Treffpunkt Cölln's einen verbalen Blütenstrauß.

An der Speisetafel neben ihm ein leerer Stuhl, Kerzen, ein unbenutztes Gedeck mit roten Rosen, den Lieblingsblumen der großen Naturschützerin.

Was die Überzeugungskraft dieser uneitlen Frau anrichten konnte, bewies Voscherau mit dieser Enthüllung: "Als ich seinerzeit in unsere Hauptstadt Bonn wechseln sollte, riet sie mir: 'Henning, lass das sein! Bonn ist eine Schlangengrube!'" Henning Voscherau ließ es sein: Lokis Rat wog schwer. Leider hat es den Anschein, als ob die Abwesenheit dieser klugen Loki Schmidt die schon immer großkalibrigen Dispute ihrer Tafelrunde jählings zugespitzt hätte. Trinksprüche wie "Auf verantwortungsbewusste Politiker!" wären in den früheren 18 Tafelrunden kaum zu hören gewesen. Björn Engholm forderte dringlich "bessere Bezahlung für bessere Politiker". China teilte die Runde welterfahrener Beobachter radikal: Einige bedauerten, dass die große Aufbauleistung der asiatischen Großmacht kaum anerkannt werde. Andere warnten: Wenn wir in 20 Jahren Chinas Rohstoffe dringend brauchen, werden wir nicht mehr auf die höflichen Chinesen von heute treffen!" Unser angeschlagenes Demokratiesystem geriet in schweres Kreuzfeuer. Die schärfste Klinge schlug Hamburgs Ex-Bürgermeister Voscherau: "Legitimation der Politik und Identifikation der Bürger" seien erforderlich. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten aber erst die Parteifunktionäre abgeschafft werden.

Voscherau will eine absolute Mehrheit der SPD in Hamburg. Begründung: Die Grünen hätten bisher nichts erreicht, vielmehr die Regierung von Beust via Schulreform "zersetzt". Wo sind die friedlichen Zeiten geblieben, als die "Karpfenesser" sich an Lokis "genialem Quittenbrot" gütlich taten. Oder als Engholm schilderte, wie er in jungen Jahren im Duell um ein hübsches Mädchen mit der scheinbar überlegenen Motorroller-Konkurrenz lediglich eine Schachtel Niederegger-Marzipan anzubieten hatte: "Die aber brachte für mich den Durchbruch!" Vorbei und verweht.

Leb wohl, Loki!