Eismeer-Neubau verzögert sich

Hagenbeck wird seine neue Attraktion erst im Sommer 2012 eröffnen - auch um die Tiere langsam einzugewöhnen

Stellingen. Fans von Eisbär und Walross müssen sich gedulden. Die Eröffnung der neuen Eismeer-Landschaft im Tierpark Hagenbeck wird sich um ein Jahr verzögern. Ursprünglich galt als offizieller Eröffnungstermin der Frühsommer 2011. Nun wird der Sommer 2012 angepeilt. Zwei Gründe gibt es für den Gang in die Verlängerung. Zum einen warf der harte Winter 2009/10 die Bauarbeiten um rund zehn Wochen zurück, und die aktuellen Minustemperaturen sorgen erneut für Zwangspausen auf der Großbaustelle. Zum anderen entschieden die Direktoren Joachim Weinlig-Hagenbeck und Stephan Hering-Hagenbeck, den ehrgeizigen Zeitplan zugunsten einer ruhigen Eingewöhnung der zukünftigen Bewohner zu kippen. Es gibt nun genügend Puffer, "damit die Tiere ausreichend Zeit haben, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen", sagte eine Hagenbeck-Sprecherin.

Die Tiere, das werden Eisbären und Walrosse, Südamerikanische Seebären, antarktische Pinguine und Humboldtpinguine sowie einige Seevogelarten wie Papageientaucher und Trottellummen sein. Geplant ist, die Gehege nacheinander zu belegen. Den Anfang werden die Humboldt-Pinguine machen, die nur innerhalb Hagenbecks umgesiedelt wurden. Erst zogen sie in eine WG mit den Roten Riesenkängurus, zurzeit leben sie hinter den Kulissen. Sobald sie auf die Eismeer-Anlage gewatschelt sind, werden sie für die Besucher auch wieder zu sehen sein. Auf die Humboldt-Pinguine folgen die Seevögel und Seebären. Als krönender Abschluss kommen wahrscheinlich die Eisbären. Das würde beispielsweise für die auf einen Ortswechsel extrem sensibel reagierenden Walrosse bedeuten, zunächst ihre neue Heimat kennenlernen zu können und nicht gleich - nur durch einen Graben getrennt - einem Eisbären gegenüberzustehen. Auch für die Techniker ist der neue Zeitplan von Vorteil. Er bietet ihnen noch vor Einzug der Tiere ausreichend Gelegenheit, die Anlage zu testen und eventuelle Schwachpunkte wie undichte Stellen oder schwächelnde Pumpen zu beseitigen. Und davon wird es vermutlich auch welche geben, denn das Bauvorhaben ist gigantisch. Mit fünf Millionen Liter Salzwasser wird in den Eismeerbecken beispielsweise doppelt so viel Wasser schwappen wie im Tropen-Aquarium. Und dieses Wasser bedarf einer besonderen Behandlung: Bevor auch nur ein Tier seine Schnauze eintauchen wird, muss das Wasser mindestens zwei Monate lang stehen und mit Meersalz angereichert werden.

Das neue Eismeer soll seinen mehr als 100 Jahre alten Vorgänger ersetzen, der 1907 von Tierpark-Gründer Carl Hagenbeck der Öffentlichkeit präsentiert wurde und eigentlich nur 20 Jahre halten sollte. Als das Nordmeer-Panorama, vielen bekannt als Heimat von NDR-Walross Antje, im Frühjahr 2009 abgerissen wurde, war der Bau so marode, dass er nur noch von einem dichten Efeuteppich zusammengehalten wurde und wie ein Kartenhaus zusammenklappte. Das neue Eismeer wird eine technisch hochmoderne und umweltschonende Anlage. Außerdem will Hagenbeck damit in der artgerechten Haltung von Tieren der Polregionen neue Maßstäbe setzen und, das ist das erhoffte Ziel der Zoologen, in einiger Zeit Nachwuchs bei den Walrossen und Eisbären vermelden. In diesen Tagen wird auf der Hagenbeck-Baustelle zwar gearbeitet, die Kunstfelsen allerdings können nur modelliert werden, wenn es frostfrei ist. Etwa zehn Prozent der aufwendigen Kunstfelsen sind inzwischen fertig, es fehlt noch der mit 8,50 Metern alles überragende Monolith auf dem Eisbärengelände.

Zahlreiche weitere Attraktionen sind auf rund 8000 Quadratmetern geplant, darunter eine Aussichtsplattform und ein sieben Meter tiefes Tauchbecken für die Walrosse. Woher diese kommen, ist allerdings noch unklar. Eine bereits von Hagenbeck ins Auge gefasste Gruppe ging an einen anderen Zoo. Nun wird weltweit weitergesucht.

Und auch bei der Finanzierung des Mammutprojekts könnte ein bisschen mehr Zeit helfen. 20,5 Millionen Euro wird das spektakuläre Eismeer kosten. Statt der erhofften zehn Millionen Euro gibt die Stadt Hamburg 7,5 Millionen Euro dazu. Durch Spenden und testamentarische Zuwendungen konnte die Stiftung Hagenbeck bislang 10,9 Millionen Euro einsammeln - 1,6 Millionen fehlen also noch.