Für erwachsene Täter hätte es wohl eine härtere Strafe gegeben

Für Opferverband hat das Gerichtsurteil Signalwirkung

Neustadt. Berhan I. und Onur K. sind der Polizei seit Jahren bekannt - vor allem sind der 17 und der 18 Jahre alte Mann bisher durch Körperverletzungsdelikte aufgefallen. Aus einer Kleinen Anfrage des SPD-Innenexperten Andreas Dressel an den Senat geht hervor, dass die beiden Jugendlichen zwar in verschiedene behördliche Maßnahmen eingebunden waren, speziell mit Gewaltprävention befasste (Beratungs-)Stellen jedoch nicht eingeschaltet wurden und zumindest im Fall Berhan I. behördenübergreifende Besprechungen ganz ausblieben.

"Die Maßnahmen waren nicht ausreichend - ein mahnendes Beispiel dafür, wie ein Staat nicht mit jugendlichen Gewalttätern umgehen sollte. Ein früheres behördliches Intervenieren wäre in beiden Fällen erforderlich gewesen", sagt Dressel. Vom Senat, der im Sommer die Kommission "Gewalt im öffentlichen Raum" gegründet hatte, fordert Dressel nun, Wort zu halten und noch im Dezember Ergebnisse auf den Tisch zu legen. "Auch ein Rumpf-Senat ist in der Pflicht, hier Resultate zu liefern." Wie Dressel begrüßt auch der Hamburger Weiße Ring, der die Hinterbliebenen des Opfers betreut, das Urteil. "Wichtig ist, dass das Gericht die Belange der Opfer gesehen hat und mit dem Urteil ein Signal nach draußen gesendet wurde: dass solche schweren Straftaten entsprechend geahndet werden", sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Kristina Erichsen-Kruse.

Der renommierter Strafrechtsprofessor Bernd-Rüdeger Sonnen hält das Urteil für "ausgewogen". Das Gericht habe den primär erzieherischen Gedanken des Jugendstrafrechts gut austariert mit der individuellen Schuld der Angeklagten. Zwar hätten die Täter, so das Landgericht, vorhersehen können, dass ein Faustschlag zum Tode führen kann. Einen für eine Verurteilung wegen Mordes oder Totschlags unerlässlichen Vorsatz konnte es ihnen jedoch nicht nachweisen. Hätten Erwachsene vor Gericht gestanden, "müsste man wohl von einer zu milden Strafe sprechen". Bei Strafen im Jugendrecht komme es hingegen nicht auf Härte oder Milde an, sondern auf die Vermeidung von Rückfalltaten. Die Rechnung: Je härter junge Täter bestraft werden, desto höher die Abschreckung, gehe nicht auf: "Das haben alle kriminologischen Studien widerlegt."