"Das dünne Mädchen schreit und weint, es ist so viel, was rauswill"

Zuerst geht alles gut, es tut weh, aber es geht gut, man muss es nur schaffen, es beiden recht zu machen - aber es beiden recht zu machen geht nicht. Wenn ich zu Mama fahre oder spontan etwas mit ihr unternehme, passt das Papa nicht.

Dass ich bei Papa wohne, passt dagegen Mama nicht. Der Druck steigt, wie die Leistung, die man in der Schule erbringen muss.

Mama, Papa, Schule. Mama, Papa Schule.

Die Finanzen stehen schlecht, objektive Meinung von Papa und objektive Meinung von Mama.

Es kommt zu unschönen Situationen. Der Druck steigt.

Es gibt auch schöne Phasen, aber die Ungewissheit bleibt: Wie ist die finanzielle Lage, mache ich es Papa recht? Mache ich es Mama recht?

Die schlechten Phasen überwiegen.

Schule, Mama, Papa, Geld. Der Druck steigt.

Es verschlägt mir den Appetit. Es gibt nur einen Weg, wenigstens irgendetwas zu kontrollieren - nämlich mich selbst zu perfektionieren: dünn sein!

Meine Hobbys, die ich mache, möchte ich gut machen: super singen, delikat backen, klasse malen. Aber ich kann noch etwas perfekt: dünner sein!

Ich weiß, dass ich krank bin, ich brauche Hilfe. Es ist eine Odyssee, bis das dünne, kranke Mädchen endlich in der Klinik ist, isoliert von allen anderen auf ihrer Insel der Magersucht.

Die Klinik muss gewechselt werden, das dünne Mädchen muss vorher noch ins Krankenhaus, dort zeigt sich, wie dünn sie wirklich ist. Sie schreit, sie weint, es ist so viel, was rauswill.

Nachdem ich wochenlang im Krankenhaus war, kam ich in eine spezielle Klinik, hier bin ich noch immer, ich habe Mindestgewicht, der Drang, mich zu kontrollieren, weicht, stattdessen kommen meine Gefühle wieder.

Doch ich muss unbedingt lernen an mich zu denken, ich möchte es allen recht machen, doch das kann ich nicht, niemand kann das.

10 000 Fragen türmen sich auf, ich bin gerade volljährig geworden - wohin soll mein Weg gehen? Ich brauche einen Ort, wo mich die Zerrissenheit ein bisschen in Ruhe lässt.