Kommentar

Eingeständnis des Scheiterns

E.on, Deutschlands größter Energiekonzern, soll umgebaut und teils auf Regionen außerhalb Europas neu fokussiert werden. Das erscheint vordergründig als Reaktion auf schlechtere Perspektiven im Geschäft mit Strom und Erdgas. Tatsächlich aber ist es Ausdruck eines herben Scheiterns.

Vorreiter für eine moderne Energieversorgung sind Konzerne wie E.on, RWE, EnBW oder Vattenfall nie gewesen. Diese wird mehr und mehr dezentral und von erneuerbaren Quellen geprägt sein. Die Großunternehmen aber setzten auf Konzentration: Vor allem E.on und RWE waren jahrelang vorrangig damit beschäftigt, in Deutschland und Europa immer mehr Beteiligungen aufzukaufen. Die Macht solcher Unternehmen - die es auch in Frankreich oder Italien gibt - wurde schnell so groß, dass die EU-Kommission klare Vorgaben zur Entflechtung der Konglomerate machte.

Auch technologisch arbeiten die Konzerne bis heute vor allem rückwärts gewandt. Sie selbst, aber auch die Gesellschaft zahlen dafür ihren Preis: Projekte für riesige neue Kohlekraftwerke wie im nordrhein-westfälischen Datteln drohen am Widerstand der Bevölkerung zu scheitern. Mit massiver Lobbyarbeit drückten die Konzerne bei der Bundesregierung längere Laufzeiten für Atomkraftwerke durch - und heizen damit erneut einen gesellschaftlichen Konflikt an, der bereits überwunden schien.

Zwar investieren auch E.on und Co. mittlerweile in erneuerbare Energien wie die Windkraft - allerdings erst, seitdem klar wurde, dass sie den Trend dahin nicht mehr stoppen können. Pionierarbeit sieht anders aus.