Zwischenruf

Eine Pilotphase hat ihren Sinn

Ein Kommentar von Elisabeth Jessen

Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen - das klingt wie Musik in den Ohren vieler Eltern, die händeringend nach einer Unterbringungsmöglichkeit für ihre Kinder suchen. Ab 2013 sollen alle Schulkinder in Hamburg einen Hortplatz bekommen können, ganz ohne Kita-Gutschein. Und die Krönung: Das Angebot soll in einer Kernzeit zwischen acht und 16 Uhr sogar kostenlos sein.

Die Kritiker sind von der Systemumstellung alles andere als begeistert. Nicht von ungefähr übersetzen sie ganztägige Bildung mit einem abfälligen "ganz billig". Mehrere Initiativen wehren sich vehement gegen die vorzeitige Einführung der neuen offenen Ganztagsschulen. Wenn künftig 10 000 Kinder mehr als bisher betreut werden, die Behörden dafür aber nicht mehr Geld ausgeben wollen, dann muss irgendetwas auf der Strecke bleiben, das sagt einem der Hausverstand. Nur ein Beispiel: Künftig muss sich ein Erzieher um bis zu 23 Kinder kümmern statt bisher um 17.

Fünf Hamburger Pilotschulen sind bereits zum Schuljahresbeginn ins neue System gewechselt. Pilotschulen heißen sie deshalb, weil ihre Erfahrungen gesammelt und ausgewertet werden sollten.

Trotzdem lässt die Schulbehörde jetzt zu, dass etwa 80 Schulen auf eigenen Wunsch schneller ins neue System einsteigen. Auch wenn den Standorten geeignete Räumlichkeiten fehlen und es keine Mensen gibt, in denen die Schüler ein vernünftiges Mittagessen bekommen. Dazu kommt, dass die Rahmenverträge mit den Hortbetreibern erst verhandelt werden müssen. Eltern, die ihr Kind jetzt anmelden, kaufen die Katze im Sack.

Um ein tragfähiges Konzept für das neue Hortsystem zu entwickeln, sollte die Behörde wie geplant die Erfahrungen der Pilotschulen auswerten und keine Schnellschüsse zulassen. Pilotphasen haben ihren Sinn.