Zwischenruf

Mit dem Kater kam die Reue

Eine Diebstahlswarnung von Jan-Eric Lindner

Alkoholbedingter Erinnerungsverlust geht nicht selten mit dem Verschwinden diverser Wertgegenstände einher. Diese katerfördernde, für Kopf, Selbstvertrauen und Portemonnaie schmerzhafte Erfahrung haben schon Generationen munterer Zecher machen müssen. Besonders Mobiltelefone scheinen ihrem (nomen est omen!) Bewegungsdrang besonders intensiv nachzugeben, wenn das Herrchen (weitaus seltener das Frauchen) nicht richtig aufpasst.

Doch es geht auch andersrum, wie die Beamten des Kommissariats in Niendorf aus einem Brief an einem Päckchen schlossen, das sie am Montagmorgen an ihrer Dienststelle fanden. "Sehr geehrte Beamte", schreibt da ein Mann, der unten mit "Täter" signiert. "Ich habe diese Gegenstände zu meiner vollkommenen Überraschung heute Morgen in meiner Tasche gefunden. Da ich nicht davon ausgehe, dass ich sie mir rechtens angeeignet habe, bereue ich mein Verhalten. Ich hoffe, dass Sie dem Eigentümer die Sachen übersenden." Die "Gegenstände" waren ein teures Handy und eine Hotel-Schlüsselkarte.

"Die Straftat", so schreibt der von seiner nächtlichen Geschicktheit überraschte Dieb, "muss sich gestern zwischen 0 und 6 Uhr auf dem Kiez zugetragen haben. Genauere Angaben kann ich aufgrund meines Alkoholmissbrauches leider nicht geben." Wohl aber Tipps für den richtigen Umgang mit den Beutestücken: "Rufen Sie doch am besten bei dem Hotel auf der Karte an. Der Eigentümer der Sachen wird da wohl übernachten."

Tatsächlich war der Beklaute schon gestern nicht mehr in Hamburg. Es handelt sich um einen Touristen, der sich zwischenzeitlich in allen Vorurteilen über Hamburgs bösen Kiez bestätigt sah.

Die Verluste der Nacht erhält er zurück. Wenn auch nicht komplett: Eine Zigarettenschachtel behielt der Dieb ein. "Um die wohl von mir begangene Tat wiedergutzumachen, habe ich die Schachtel zerstört und hoffe, so der Gesundheit des Eigentümers zu dienen!"