Schmuck

Chinesen lassen Hamburgs Juweliere jubeln

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Kunden aus Asien bescheren hohe Umsatzzuwächse. Immer mehr Unternehmen der Branche wollen Filialen in der Hansestadt eröffnen.

Hamburg. Es gibt Tage, da kommt Christa Kubsch kaum zum Luftholen. Kaum dass die Leiterin der Wempe-Niederlassung am Jungfernstieg eine chinesische Reisegruppe verabschiedet hat, kommt schon die nächste zur Tür herein. "Das geht seit Jahresanfang so", sagt Kubsch, die in dem Geschäft neben Russisch sprechenden jetzt auch Chinesisch und Indonesisch sprechende Mitarbeiter hat. "Wir haben auch durch die Besucher aus China bombige zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz", so Kubsch. Dabei würde die neue Kundengruppe auch hochwertige Artikel erwerben und nicht nur Sonderangebote.

"Unsere Umsatzträger sind derzeit die Chinesen", bestätigt auch Johannes Kick, Norddeutschland-Chef von Deutschlands größter Juwelierkette Christ. "Natürlich freuen wir uns über die Käufer aus China . Wir achten jedoch darauf, dass die Einkaufsatmosphäre für unsere Hamburger Kunden nicht darunter leidet", so Stephan Wintersteller, Geschäftsführer und Mitglied der Inhaberfamilie vom Juwelier Mahlberg. Nicht nur Schmuckverkäufer, sondern auch andere Handelsbranchen profitieren davon, dass bereits jedes Jahr rund 35 000 Chinesen in die Hansestadt kommen. Deshalb hält die Tourismuszentrale sogar Seminare über den richtigen Umgang mit den asiatischen Kunden ab.

Branche setzt in Hamburg 200 Millionen Euro im Jahr um

Trotz der neuen Käufergruppe hat die Juwelierbranche die Wirtschaftskrise zwar gespürt, aber nur moderat. Die mehr als 200 Läden in der Stadt haben nach Angaben von Ulf Kalkmann, Sprecher des Hamburger Einzelhandelsverbands, 2009 knapp 200 Millionen Euro umgesetzt. Das waren zwar zwischen vier und fünf Prozent weniger als 2008, "aber die Unternehmen sind bereits dabei, die Delle wieder auszugleichen. Im ersten Halbjahr hatte die Branche Zuwachsraten."

Hamburgs Schmuckmarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark konsolidiert. In der Branche bekannte Namen wie Heinz Kurt Häfen, Hansen, H. Stern und auch Brahmfeld & Gutruf haben ihre Geschäfte aufgegeben. Doch meist sind - vor allem, wenn die Betriebe in guter Innenstadtlage waren - sofort Nachfolger gekommen. So hat die größte Schweizer Kette Bucherer die Filialen von René Kern übernommen, der italienische Anbieter Pomellato folgte H. Stern und auch das Traditionsunternehmen Brahmfeld & Gutruf wird unter gleichem Namen nun fortgeführt. Im November eröffnet Benjamin Freisfeld, Spross der Münsteraner-Kette Freisfeld das Unternehmen am Neuen Wall. Freisfeld, Diamantenspezialist und Diplomkaufmann, hat den Hamburger Markt genau analysiert. "Die Stadt hat eine hohe Zentralität, zieht also zahlreiche Konsumenten aus dem Umland an und jedes Jahr Millionen Touristen", begründet er sein Votum für Hamburg. "Verstärkt wird die Attraktivität Hamburgs noch durch die gute Bevölkerungsstruktur", sagt er und meint das in der Stadt vorhandene kaufkräftige Kundenklientel.

Auch andere Unternehmen der Branche würden gern nach Hamburg kommen

Freisfeld hat die Namensrechte des Pforzheimer Schmuckexperten Alfred Wurster gekauft. Die frühere Eigentümerfamilie Hülse-Reutter ist schon lange aus dem Geschäft, nachdem sie bei dem später verurteilten Finanzjongleur Jürgen Harksen Geld angelegt hatte. Freisfeld ist froh, dass er endlich eine bezahlbare Niederlassung in Hamburg aufmachen kann. Auch andere Juweliere haben nach Informationen des Abendblatts Makler mit der Suche nach Räumlichkeiten beauftragt. Auch Stephan Wintersteller von Mahlberg musste lange warten, ehe er passende Räume fand. "Die Idee, nach Hamburg zu gehen, hat uns schon seit mehr als zehn Jahren beschäftigt", sagt er. "Viele Kunden, die in unsere Filialen in Lübeck oder Timmendorf kamen, sind Hamburger, die wir jetzt vom Neuen Wall aus bedienen können."

2006 eröffnete die Lübecker Juweliersfamilie Wintersteller die Hamburger Niederlassung. Nicht nur die Räumlichkeiten passten, sondern auch die Tatsache, dass der damals 26-jährige Sohn Stephan gerade sein Studium beendet hatte. Denn in jeder der sechs Mahlberg-Filialen in Norddeutschland soll ein Familienmitglied oder ein enger Vertrauter arbeiten. Die Krise hat Mahlberg kaum getroffen. "2009 hatten wir insgesamt eine Stagnation. Das Haus, das das stärkste Wachstum verzeichnet hat, war Hamburg", sagt er. Inzwischen gebe es wieder gute Wachstumsraten.

Kalkmann fürchtet allerdings, dass weiterhin Juweliere abseits der Lagen mit hoher Kaufkraft aufgeben könnten. "Vor allem kleine Betriebe werden es schwer haben, einen Nachfolger zu finden", sagt er. Und auch Touristen zieht es nicht in diese Randlagen.