Menschlich gesehen

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Clowns tragen nicht immer rote Nasen. Sie müssen auch nicht im Zirkus auftreten. Thomas Gisiger spielt Theater. Der Schweizer hat in Hamburg "Die 2te Heimat" gefunden. So heißt auch seine vor drei Jahren mit Andreas Löher gegründete Privatbühne in der Max-Brauer-Allee 34, wo der Glatzkopf mit den Segelohren zur Theaternacht Clownesken aus dem Sexleben las - auf der Mitarbeitertoilette, schamhaft versteckt hinterm Duschvorhang. "Damit die Leute nicht sehen, wie ich bei den deftigen Stellen rot werde", gibt er zu.

Thomas Gisiger hat über die Schaufensterdekoration zum Theater gefunden. In seinem ersten Beruf baute er nebenbei Bühnenbilder für ein freies Theaterprojekt in seiner Geburtstadt Solothurn. Bald spielte er in Kinderstücken mit, besuchte dann in Hannover die Clownsschule. "Clown zu sein ist für mich ein Zustand der Fantasie und Freiheit", sagt der 44-Jährige. "Ich kann ein Problem wie Schüchternheit aus kindlicher Sicht in einer einfachen und komischen Geschichte erzählen, ohne das Publikumsinteresse zu verlieren."

Auf den Kontakt mit Zuschauern legt er in der "2ten Heimat" großen Wert. Überhaupt: Schweizer lieben Hamburg, meint Gisiger. "Sie mögen den Hafen und große Schiffe. Deswegen lebe ich auch in Ottensen." Die Alster wiederum erinnert ihn an den Zürichsee. "Ein Stück Zuhause." So soll sich auch sein Publikum in der "2ten Heimat" fühlen.