Kommentar

Job-Wunder auf tönernen Füßen

Der deutsche Arbeitsmarkt scheint die Wirtschaftskrise ohne größere Einbrüche überstanden zu haben, die August-Arbeitslosigkeit ist sogar so niedrig wie seit 18 Jahren nicht mehr. Ist es jetzt also endlich an der Zeit, Entwarnung für den Arbeitsmarkt zu geben und das deutsche Job-Wunder zu bejubeln?

Die Experten in der Agentur für Arbeit tun sich nach wie vor schwer mit solch euphorischen Äußerungen und sie haben recht mit ihrer skeptischen Einschätzung. Denn die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt ist vor allem durch den Boom der Zeitarbeit zu erklären. Hamburger Firmen suchen zwar vermehrt nach Gabelstaplerfahrern, Elektroinstallateuren und Krankenpflegern, scheuen sich aber, diese unbefristet einzustellen. Die Chefs halten sich somit immer noch eine Hintertür offen für den Fall, dass die Konjunktur doch wieder abflauen sollte.

Wer aber nur auf Zeit eingestellt wird, dem fehlt die nötige Sicherheit, um langfristig zu planen. Er kauft kein neues Auto, baut kein Haus und gründet keine Familie, weil er nicht weiß, ob er nicht schon in wenigen Monaten wieder auf der Straße steht. Das aber ist Gift für die Binnennachfrage, die Deutschland dringend braucht, um den positiven konjunkturellen Trend abzusichern.

Die Unternehmenschefs sollten daher ihre Zurückhaltung jetzt aufgeben und vermehrt auch wieder unbefristete Stellen schaffen. Nur sie können den Mitarbeitern signalisieren, dass es auch langfristig wieder aufwärtsgeht. Solange das nicht geschieht, steht das angebliche Job-Wunder in Deutschland auf tönernen Füßen.