Draußenspielen für Große

Warum immer mehr Erwachsene den Spaß am Klettern in Hochseilgärten entdecken

Hamburg. Erwachsene, die sich in einen Sicherheitsgurt zwängen, babyblaue Helme aufsetzen und sich über ein System von Hürden von Baum zu Baum hangeln und Tarzan spielen. Die auf allen vieren durch schwingende Holzröhren kriechen und am Ende eines Kletterparcours glücklich und verschwitzt per Seilbahn wieder auf dem Boden landen. Ist das eigentlich normal? Zumindest ist dieses Verhalten verständlich und weit verbreitet: Die Hamburger haben die Lust am Klettern für sich entdeckt.

Das Klettern in Hochseilgärten oder an Wänden ist angesagt. Wie sehr, zeigen die steigenden Mitgliederzahlen des Deutschen Alpenvereins in Hamburg: Seit 2003 hat sich die Zahl auf 15 000 Mitglieder verdoppelt. Ein Drittel davon übt den Sport im Kletterzentrum in Lokstedt aus. Im September ist Spatenstich für eine dritte Kletterhalle. In und um Hamburg sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Hochseilgärten und Kletterwände entstanden. "Klettern boomt", sagt Katrin Ruppel vom Deutschen Alpenverein (DAV).

"Das ist Draußenspielen für Große", sagt Katrin Ruppel.

Hans-Jürgen Schulke, Professor für Eventmanagement, erklärt den Boom so: "Die technischen Entwicklungen, die neuen Materialien durch die Kletterhallen und Hochseilgärten sind attraktiv für eine Massennutzung. Das Gemeinschaftserlebnis durch gegenseitiges Sichern schafft Vertrauen." Deshalb schicken viele Firmen ihre Manager zu teambildenden Fortbildungen auf die Bäume. Bei jeder Klettertour ist Abenteuer dabei. Schulke: "Klettergärten sind für den Normalo ein Hauch Himalaja-Aufstieg vor der Haustür."

Der Wunsch nach Herausforderung und Nervenkitzel und das Erlebnis in der Natur seien die Hauptmotive. "Klettern wird teilweise mit dem Leistungsgedanken, der auch in Sportarten vorherrscht, in Verbindung gebracht", sagt der Sportsoziologe Markus Friederici.

Hinter all dem, was den Spaß daran ausmacht, steckt laut Schulke die "Philobatie", die Angstlust, ein für die menschliche Entwicklung notwendiges Neugierverhalten. Und dieses Neugierverhalten habe keine Altersbeschränkung. Deshalb sei Klettern bei jungen, alten, leistungs- und freizeitorientierten Menschen beliebt.