Fehler beim Software Update

Computerpanne lähmt Hamburgs Behörden

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrich Gaßdorf

Durch den Fehler eines Mitarbeiters des IT-Dienstleisters Dataport funktionierten mehr als 2300 Rechner der Behörden nicht mehr.

Hamburg. Die Mitarbeiter in den Hamburger Behörden sind in diesen Tagen nicht besonders gut auf den IT-Dienstleister Dataport zu sprechen. Durch den Fehler eines Dataport-Technikers wurden seit Donnerstag zeitweise mehr als 2300 Computer lahmgelegt. Das Microsoft-Office-Programm funktionierte nicht mehr, und die Behördenmitarbeiter konnten beispielsweise keine E-Mails mehr versenden und empfangen oder ihren elektronischen Kalender einsehen.

Den Verantwortlichen bei Dataport ist die technische Panne sehr unangenehm: "Es kam hier zu einer unglücklichen Verkettung von technischem und menschlichem Versagen. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Lösung des Problems", sagte Dataport-Sprecher Holger Förster dem Abendblatt.

Aber wie konnte es zu dieser technischen Panne kommen? "Ein Mitarbeiter sollte auf einige wenige Computer ein altes Microsoft-Office-Programm aufspielen. Doch durch einen Fehler des Mitarbeiters kam es dazu, dass dieses Programm automatisch auf allen Rechnern für die Installation bereitgestellt wurde. Diese Version läuft aber nicht gleichzeitig mit der aktuellen Version auf dem Rechner", sagte Förster. Der Fehler sei schnell erkannt worden, sodass nur etwa 2300 der insgesamt 24 000 Behördencomputer betroffen waren, sagte Förster.

Inzwischen sind laut Förster noch rund 131 Computer nicht voll funktionsfähig: "Wir haben die Zahl der Kollegen, die die Fehler beheben sollen, um 30 aufgestockt."

Nach Abendblatt-Informationen liegt die Zahl der defekten Rechner jedoch immer noch deutlich höher: "Allein bei uns sind rund 100 Arbeitsplätze betroffen. Die Mitarbeiter mussten in andere Büros umziehen", sagte Peter Hansen, Sprecher des Bezirksamts Nord. Es sei sehr ärgerlich, dass Dataport so lange für die Behebung des Problems benötigen würde. Noch deutlicher wurde Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD), in dessen Behörde 152 Rechner betroffen waren: "Das ist eine Zumutung für meine Mitarbeiter. Es ist absolut unprofessionell, dass Dataport nach fast einer Woche immer noch nicht diese peinliche Panne komplett behoben hat."

Den Ärger der Behördenmitarbeiter kann Dataport-Sprecher Förster nachvollziehen: "Wir haben uns bei den Nutzern bereits für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Unser Kundenservice wurde verstärkt, damit die Kunden möglichst schnell einen Ansprechpartner erreichen können."

Seit Tagen informiert Dataport die Behörden in ausführlichen E-Mails über den aktuellen Stand des Computerproblems: "Wir bedauern, dass die Störungssituation weiterhin kritisch ist", hieß es in einer Mitteilung.

Ein weiteres Problem war, dass viele Behördenmitarbeiter gar nicht wussten, welcher Defekt an ihrem Computer vorlag: "Wir konnten einige der Nutzer eben wegen der technischen Panne nicht per E-Mail erreichen", sagte Dataport-Sprecher Förster.

Besonders schlimm hatte es die Finanzbehörde erwischt. Hier waren nach Angaben des IT-Dienstleisters 277 Rechner betroffen, inzwischen kann dort aber wieder mit Microsoft Office problemlos gearbeitet werden. In der Gesundheitsbehörde waren es 153 Rechner und bei Dataport selbst 32 Computer.

Dataport ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und gehört den Bundesländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das Unternehmen ist der Dienstleister für die Informations- und Kommunikationstechnik der öffentlichen Verwaltung in diesen Ländern.

In den vergangenen Jahren sorgte Dataport immer wieder für Schlagzeilen. Im November 2007 berichtete das Abendblatt, dass es gravierende Sicherheitslücken im behördeninternen Computernetz der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein gibt. Damals stellte sich heraus, dass es möglich war, von den etwa 33 000 Computerarbeitsplätzen auf andere Rechner der Verwaltung zuzugreifen. Bereits im Januar 2007 gab es in den Bezirksämtern Probleme mit der Software "OK.EWO", dadurch wurde der Betrieb in den Kundencentern nahezu blockiert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg