Sexualstraftäter soll umziehen

Besorgte Niendorfer Eltern fordern den Bezirk auf, den Ex-Häftling Hans-Peter W. an einem anderen Ort unterzubringen

Eimsbüttel. Der in Niendorf untergebrachte ehemalige Sicherungsverwahrte Hans-Peter W., der vor 30 Jahren zwei Frauen vergewaltigt hat, soll umziehen. Das fordern Eltern, deren Kinder die Kita Wurzelzwerge am Niendorfer Marktplatz besuchen. "Der Mann ist hier genauso gut aufgehoben wie ein Pyromane bei der Feuerwehr", sagt Konstantin von Laffert, dessen beiden Töchter die Einrichtung besuchen. "Viele Kitas und Eltern gehen mit Kindern in das Niendorfer Gehege." Da befürchtet werden müsse, dass sich der Sexualstraftäter auch dort aufhalte, mieden viele das Gelände.

In einem Brief, der dem Abendblatt vorliegt, fordert der 44-Jährige gemeinsam mit anderen besorgten Eltern aus dem Stadtteil Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke auf, Hans-Peter W. an einen anderen Ort zu verlegen. "Warum muss der Straftäter ausgerechnet in der Nähe so vieler Kitas, Kinderspielplätze und Joggingpfade untergebracht werden, auf denen viele Frauen allein unterwegs sind?", fragt von Laffert in dem Schreiben. Er erwarte, dass die Sicherheit der Kinder weit höher als das Wohlbefinden eines Sexualstraftäters bewertet werde. Der Familienvater plädiert dafür, dass der 53-Jährige in einer geschlossenen Einrichtung einquartiert wird. "In einer großen Wohnung, die er beispielsweise dreimal die Woche verlassen darf." Das sei zudem günstiger als eine 24-Stunden-Überwachung.

Eine Verlegung von Hans-Peter W. kommt für Bezirkschef Torsten Sevecke nicht infrage. "Ich verstehe die Ängste der Niendorfer", sagt er. "Aber wir müssen ruhig bleiben. Wir sind sicher, dass von Hans-Peter W. an diesem Standort keine Gefahr ausgeht." Zudem werde er rund um die Uhr bewacht. Auch die Sicherheitsbehörden seien der Meinung, dass es der richtige Ort für die vorübergehende Unterbringung des ehemaligen Sicherungsverwahrten sei. "Er bleibt definitiv bis Ende nächster Woche dort", sagt Sevecke. Zurzeit werde händeringend nach einer dauerhaften Lösung gesucht. "Um die Eltern zu beruhigen, bin ich gerne bereit, in den Kindergarten zu gehen, um mit den Eltern zu reden."

Denn deren Sorge ist offenbar so groß, dass sie sich dafür ausgesprochen haben, dass die Betreuerinnen mit den Kindern nicht mehr das Niendorfer Gehege betreten. "Es ist der Wunsch der Eltern. Zudem wollen und können wir die Verantwortung nicht übernehmen", sagt Maike Wagener, Geschäftsführerin des Kindergartens. Nicht nur für die Eltern, auch für die Erzieherinnen sei es eine unbehagliche Situation, dass Hans-Peter W. in der Nähe wohne. "Er ist permanent eine Art von Bedrohung", sagt Konstantin von Laffert.

Dirk Seidelmann-Bowles, Leiter der Kita Pakita am Niendorfer Marktplatz schätzt die Situation anders ein. "Dass Eltern besorgt sind, kann ich verstehen. Aber es bringt nichts, das Niendorfer Gehege zu meiden", sagt er. Ewige Sicherheit gebe es sowieso nicht. "Wir sind dort regelmäßig mit den Kindern auf dem Spielplatz und in der Natur. Das würden wir gern weiter in Anspruch nehmen." Jedoch beschäftige das Thema Hans-Peter W. und die Frage, wie man mit solchen Menschen umgehe, viele Niendorfer. "Wenn Eltern massiv den Wunsch äußern, dass wir das Niendorfer Gehege nicht mehr besuchen, setzen wir uns damit auseinander", sagt Seidelmann-Bowles. Ansonsten laute die Devise: "Mit offenen Augen durch die Gegend laufen."